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Betriebs­un­ter­bre­chung per Versi­cherung ab­decken – ei­ne gute Idee

Vie­le Un­ter­neh­mer ha­ben kei­ne Ver­si­che­rung ge­gen Be­triebs­un­ter­bre­chung, die in der ak­tu­el­len Kri­se ein­springt. Zur künf­ti­gen Ab­si­che­rung soll­ten sie sol­che Po­li­cen prü­fen. Ein An­walt muss a­ber klä­ren, ob die ent­schei­den­den Ri­si­ken ge­deckt sind.

Text: Midia Nuri


Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Mit Blick auf die Empfehlung von Bundes­ge­sund­heits­mi­nister Jens Spahn, Großver­an­stal­tungen wegen COVID-19 abzusagen, kursierte in sozialen Medien: Dann müssen in Berlin, München und Hamburg alle Wohnungs­be­sich­ti­gungen ausge­setzt werden. Als Witz über Pandemie-Hysterie und Wohnungs­markt ist der nicht schlecht. Vielen Unter­nehmern jedoch dürfte dieser flotte Spruch vor allem Angst vor einer Betriebs­un­ter­bre­chung einjagen. Das Risiko hierfür, etwa durch Ausfälle in der Liefer­kette, ist groß wie nie. Nur wenige Mittel­ständler dürften für diesen Fall eine Versi­cherung abgeschlossen haben. Immerhin hat die Bundes­re­gierung finan­zielle Überbrü­ckungs­an­gebote für direkt vom Corona­virus getroffene Betriebe beschlossen, etwa bessere Bedin­gungen beim Kurzar­bei­tergeld. Auch Liqui­di­täts­hilfen sind im Gespräch. Firmen­chefs sollten schnellst­möglich mit Anwalt oder Steuer­be­rater klären, ob sie davon profi­tieren. Außerdem sollten sie ihr Risiko organi­sa­to­risch mindern – und mit Blick auf die Zukunft ihren Versi­che­rungsmix überprüfen. Eine Versi­cherung gegen Betriebs­un­ter­bre­chung lohnt sich nicht nur für produ­zie­rende Unter­nehmen, sondern auch Gewer­be­trei­bende oder Dienst­leister.

Versi­cherung ist bei Betriebs­un­ter­bre­chung nur ein Thema

Die Gefahr einer Betriebs­un­ter­bre­chung oder der Unter­bre­chung einer Liefer­kette ist derzeit groß wie nie. Vereinzelt zeich­neten sich Schwie­rig­keiten schon seit Wochen ab. Inzwi­schen trifft es geballt insbe­sondere Unter­nehmer in der Touristik- und Veran­stal­tungs­branche – Techniker, Messe­bauer, Caterer oder Dienst­leister an Flughäfen. Zumindest manche dürften auch ohne Versi­cherung aufatmen. Laut Infek­ti­ons­schutz­gesetz winken Entschä­di­gungen in Höhe des Verdienst­aus­falls oder Kranken­gelds für Angestellte und Selbst­ständige bei angeord­neter Quarantäne. Für Lohnfort­zahlung bei Quarantäne können Unter­nehmer sich den Betrag erstatten lassen. Mit ihrem Anwalt sollten sie aber klären, wie sie auf Nummer sicher gehen. Denn natürlich muss für eine Erstattung die Quarantäne offiziell vom Gesund­heitsamt angeordnet sein. Dorthin sollten Unter­nehmer sich auch wenden, wenn sie selbst von einer Corona-Infektion betroffen sind. Selbst ohne Betriebs­un­ter­bre­chung kommt die Behörde dann für ihre Ausfälle im Fall einer Quarantäne auf. Abklären sollten Unter­nehmer mit ihrem Anwalt, wieweit sie in der Zeit arbeiten und Einnahmen verzeichnen dürfen.

Öffent­liche Mittel können bei finan­zi­ellen Problemen helfen

Während einer Betriebs­un­ter­bre­chung aufgrund der Corona-Krise können Unter­nehmer schneller und unbüro­kra­ti­scher Kurzar­bei­tergeld für ihre Mitar­beiter in Anspruch nehmen als regulär. Unter­nehmer können es bereits bekommen, wenn zehn Prozent der Mitar­beiter von Ausfällen betroffen sind – auch Leihar­beiter. Das hat die Bundes­re­gierung mit Blick auf Corona-Pandemie beschlossen. Entstehen Unter­nehmern durch Corona-bedingte Betriebs­un­ter­bre­chung materielle Schäden, greift mögli­cher­weise ebenfalls das Infek­ti­ons­schutz­gesetz. Auch für über die Arbeits­kraft hinaus­ge­hende Schäden – beispiels­weise durch verdorbene Waren – können Unter­nehmer bei fehlender Versi­cherung eine Entschä­digung beantragen. Auch danach sollten Firmen­chefs ihren Anwalt fragen. Zusätzlich sind öffent­liche Notkredite oder Hilfs­fonds geplant – ähnlich wie etwa nach Hochwas­ser­ka­ta­strophen. Auch das sollten Unter­nehmer mit Blick auf eine Betriebs­un­ter­bre­chung jetzt im Auge behalten. Den Steuer­be­rater sollten Unter­nehmer zudem nach Sofort- oder Teilwert­ab­schrei­bungen und anderen steuer­lichen Erleich­te­rungen für etwaige Folgen durch die Corona-Krise fragen. Auch ohne Versi­cherung für eine Betriebs­un­ter­bre­chung winken den Unter­nehmen also Erleich­te­rungen.

Auch Risiko­ma­nagement gehört zu einer guten Vorsorge

Das Corona- alias COVID-19- alias SARS-CoV-2-Virus ist zwar der aktuelle Grund, sich mit dem Thema Versi­cherung und Betriebs­un­ter­bre­chung zu befassen. Unter­nehmer sollten die Infek­ti­ons­welle aller­dings generell zum Anlass nehmen, die Risiken für ihr Unter­nehmen kritisch zu hinter­fragten. Und langfristig wirksame Antworten zu finden. Für einen Betriebs­ausfall kann der Firmenchef nämlich durchaus auch organi­sa­to­risch vorsorgen. Für etwaige Home-Office-Phasen der Mitar­beiter angesichts einer Quarantäne müssen insbe­sondere die techni­schen Voraus­set­zungen bereits vor dem Ernstfall vorhanden sein. Die Telko-Instal­la­tionen müssen komplett funkti­ons­fähig sein. Server etwa müssen einem erhöhten Zugriffs- und Übertra­gungs­auf­kommen von außen stand­halten, damit Mitar­beiter von zu Hause aus arbeiten können. Risiko­vor­sorge ist völlig unabhängig von der Versi­cherung gegen Betriebs­un­ter­bre­chung ein Thema, das der Firmenchef regel­mäßig mit neuen Ideen angehen sollte.

Schon immer hohe Sachschäden durch Betriebs­un­ter­bre­chung

Aber natürlich sollten Unter­nehmer sich generell und unabhängig von der Corona-Krise auch bemühen, ihr Risiko für eine Betriebs­un­ter­bre­chung durch eine vernünftige Versi­cherung abzudecken. Denn die durch Betriebs­un­ter­bre­chung ausge­lösten Sachschäden sind auch schon zu ganz normalen Zeiten hoch. Gerade in den vergan­genen Jahren sind sie auch noch mal deutlich gestiegen, wie der Gesamt­verband der Deutschen Versi­che­rungs­wirt­schaft (GDV) berichtet. Experten betrachten deshalb eine Versi­cherung gegen Betriebs­un­ter­bre­chung als sehr wichtig für Unter­nehmen.

Versi­cherung gegen Betriebs­un­ter­bre­chung für diverse Fälle

Im Trend liegt bei der Versi­cherung gegen Betriebs­un­ter­bre­chung die Cyber­police. Wie schnell Ausfälle der IT-Anlage oder Cyber­kri­mi­na­lität zur Betriebs­un­ter­bre­chung führen, zeigt derzeit Porsche. Oft folgen auf reale Krisen einschlägige Attacken und Ausfälle im IT-Bereich. Aber auch andere spezielle Risiken für eine Betriebs­un­ter­bre­chung sollten Unter­nehmer prüfen und gegebe­nen­falls versi­chern. Etwa solche durch Brand­schäden, Maschinen und technische Ausfälle oder eine Transport-Betriebs­un­ter­bre­chung. Poten­zielle Lücken sollten Unter­nehmer abchecken. So sind beispiels­weise Schäden durch Strom­aus­fälle selten versi­chert – dabei steigt das Risiko hierfür nach Einschätzung von Experten. Mehr und mehr geht der Trend hin zu sogenannten All-Risk-Policen, also umfas­sendem Schutz vor den Folgen einer Betriebs­un­ter­bre­chung. Wer so eine Police hat, sollte mit dem Anwalt checken, für was diese jetzt leisten wird. Wer eine Versi­cherung erst abschließen will, sollte sich mit dem Anwalt die Zeit nehmen, die Versi­che­rungs­be­din­gungen genau zu studieren. Damit sie bei der nächsten Pandemie oder sonstigen unerwar­teten Ereig­nissen auch versi­chert sind.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.


Quelle: www.trialog-unternehmerblog.de, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg

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