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Burn-out: Prävention soll­te auch im Be­trieb statt­finden

Der Kampf gegen Burn-out ist nur mit Prävention zu ge­win­nen. Und die soll­te im Be­trieb be­gin­nen, weil dort oft die Ur­sa­chen für eine Über­lastungs­de­pres­sion lie­gen. Dank des Prä­ven­tions­ge­set­zes be­kom­men Un­ter­neh­mer für ih­re Be­mü­hungen finan­ziel­le Un­ter­stützung von den Kran­kenkassen.

Text: Midia Nuri


Burn-out ist seit Jahren ein Thema. Dabei geht es nicht nur um eine Modedia­gnose, sondern ein ernstes Problem: eine Überlas­tungs­de­pression. Dieser Zustand der psychi­schen Auszehrung hat meistens, wenn auch nicht immer, zumindest teilweise mit der Arbeit zu tun. Und immer mehr Menschen sind betroffen. Die gute Nachricht ist: Im Betrieb lässt sich dem Burn-out mit Prävention höchst effektiv entge­gen­wirken. Firmen­chefs sollten bei den betrieb­lichen Faktoren für die Krankheit ansetzen. Zwar haben Mitar­beiter keinen Anspruch auf eine gesund­heits­för­dernde Arbeits­um­gebung, aber entspre­chende Inves­ti­tionen rechnen sich auch für das Unter­nehmen. Deshalb ist es sinnvoll, mit den Beschäf­tigten ihre Wünsche rund um die Burn-out-Prävention zu besprechen. Und mit dem Steuer­be­rater, wie sich Prävention dann als Betriebs­ausgabe ansetzen lässt. Außerdem sollten sich Firmen­chefs unbedingt an die Kranken­kassen wenden. Sie stellen seit 2016 einen prall gefüllten Geldtopf für Prävention in Unter­nehmen zur Verfügung.

Burn-out greift in Un­ter­neh­men seit Jah­ren um sich

Burn-out mag ein Trend­thema sein. Doch es gibt keinen Grund, die Erkrankung klein­zu­reden. Selbst wenn es manchmal eine gewisse Unschärfe beim Abgrenzen von anderen psychi­schen Erkran­kungen oder Urlaubs­reife gibt. Der überlas­tungs­be­dingte Ausfall von Mitar­beitern greift in Unter­nehmen seit Jahren um sich. Die Zahl der psychisch bedingten Krankentage hat sich von 2007 bis 2017 mehr als verdoppelt. Gab es laut Bundes­ar­beits­mi­nis­terium 2007 noch 48 Millionen Fehltage pro Jahr wegen psychi­scher Erkran­kungen, waren es 2017 schon 107 Millionen. Natürlich lässt nicht die Arbeit allein einen Menschen ausbrennen. Aber Arbeit spielt eine gewichtige Rolle beim Entstehen von Depres­sionen und Burn-out – weshalb Prävention im Betrieb sinnvoll ist. Vor allem Überstunden und Nacht­arbeit erhöhen das Depres­si­ons­risiko, so Forscher des Münchner Helmholtz Zentrums in einer Studie. In der Liste der am stärksten gefähr­deten Berufs­gruppen: Journalisten/Autoren, Händler, Juristen und (Personal-)Dienstleister sowie Beschäf­tigte in der Produktion, der verar­bei­tenden Industrie und im Nah- und Fernverkehr.

Burn-out: Prävention wirkt, das zei­gen die Zah­len

Inzwi­schen hat sich der Trend beim Burnout auch durch Prävention etwas gedreht. Diverse Studien zeigen: Fehlzeiten und Kosten aufgrund psychi­scher sowie anderer Erkran­kungen etwa des Herzens oder von Muskeln und Skelett lassen sich senken. Erstmals seit 2006 verzeichnete die Kranken­kasse DAK 2018 einen Rückgang bei den Fehltagen aufgrund psychi­scher Erkran­kungen. Die Zahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent. Sicherlich ein Grund: Im Jahr 2016 ist das Präven­ti­ons­gesetz in Kraft getreten. In Rahmen des Präven­ti­ons­ge­setzes verzeichnete der Gesamt­verband der gesetz­lichen Kranken­kassen dann 2017 gut acht Millionen Präven­ti­ons­maß­nahmen in Unter­nehmen. Die Betriebe riefen hierfür den von den Kranken­kassen vorge­se­henen gesetz­lichen Gesamt­betrag von gut 170 Millionen Euro ab. Die von den Kranken­kassen zur Verfügung stehenden Mittel – die laut Präven­ti­ons­gesetz auch auszu­geben sind – haben sich verviel­facht. Der erstmalige Rückgang der Krank­heits­zahlen 2018 spricht für den Erfolg der Maßnahmen.

Ur­sa­chen be­kämp­fen ist die beste Prä­ven­tion

Ganz wichtig zur Prävention von Burn-out ist, die auslö­senden Faktoren zu kennen und zu besei­tigen. Die Faktoren können in der Arbeit und ihren Bedin­gungen liegen, aber auch im Privat­leben. Oder in einer Kombi­nation aus beidem. So begründen Experten beispiels­weise den höheren Frauen­anteil unter den psychisch Erkrankten mit einer oft vorlie­genden Doppel­be­lastung aus Beruf und Privat­leben. Maßnahmen für mehr Famili­en­freund­lichkeit im Unter­nehmen sind also zumindest indirekt auch prakti­zierte Burn-out-Prävention. Die Arbeit den eigenen Bedürf­nissen anpassen zu können, ist zugleich der Leistung wie auch dem Wohlbe­finden der Mitar­beiter zuträglich. In Betrieben mit Schicht­arbeit sollten Chefs die Einsatz­zeiten den gesund­heit­lichen Bedürf­nissen ihrer Mitar­beiter anpassen. Das trägt dazu bei, die Beschäf­tigten körperlich und seelisch gesund zu halten, dient also ebenfalls der Burn-out-Prävention mit Blick auf einen wichtigen Ursachen­faktor. Da auch Finanz­pro­bleme ein wichtiger Stress­faktor sind, ist ein offenes Ohr für finan­zielle Sorgen und Abhilfe etwa per Mitar­bei­ter­dar­lehen ebenfalls hilfreich.

Kur­se zur Burn­out-Prä­ven­tion sind steu­er­be­günstigt

Auch persön­liche Faktoren können Mitar­beiter in einen Burn-out treiben. Zermür­bende private Situa­tionen ebenso wie Erkran­kungen und Unfälle oder auch Trennungen in der Familie. Wichtig mit Blick auf Burn-out und Prävention: Ob belas­tende Lebens­um­stände krank machen, hängt stark von den Fähig­keiten der Menschen ab, damit umzugehen. Resilienz ist hier ein wichtiges Stichwort. Und die lässt sich stärken. Verschie­denste Kurse oder Coaching-Angebote bieten sich an: je nach Bedarf oder Vorliebe der Mitar­beiter etwa zum Stress- und Selbst­ma­nagement oder zur Muskel­ent­spannung Yoga und Qigong. Genau wie Ausgaben für Rücken- oder Sehschule können Unter­nehmer auch hierfür den jährlichen Freibetrag beanspruchen, bis zu dem Ausgaben für Gesund­heits­leis­tungen lohnsteuer- und sozial­ab­ga­benfrei sind. Er steigt 2020 von 500 auf 600 Euro pro Mitar­beiter und Jahr. Lassen Unter­nehmer für ihre Beschäf­tigten ein komplexes Programm für betrieb­liches Gesund­heits­ma­nagement aufsetzen, können sie die Kosten dafür als Betriebs­aus­gaben ansetzen. Über Details infor­miert der Steuer­be­rater.

Präven­tions­ge­setz bie­tet Un­ter­stützung für Un­ter­nehmen

Unter­nehmer sollten auf jeden Fall auch den Kontakt zu Kranken­kassen suchen. Neben den steuer­be­güns­tigten Möglich­keiten beim betrieb­lichen Gesund­heits­ma­nagement steht ihnen dort mit dem Präven­ti­ons­gesetz seit 2016 ein prall gefüllter Geldtopf zur Verfügung. Den können sie für die Prävention von Burn-out im Unter­nehmen anzapfen. Das Präven­ti­ons­gesetz verpflichtet die Kranken­kassen seit Januar 2016, jährlich mindestens zwei Euro je Versi­cherten in betrieb­liche Gesund­heits­för­derung zu inves­tieren. Bis 2016 waren Inves­ti­tionen in betrieb­liche Gesund­heits­för­derung freiwillig und lagen je nach Kasse bei 50 Cent bis einem Euro. Nur einige wenige BKKs gaben schon vorher mehr als zwei Euro je Versi­cherten und Jahr aus. Hier hat sich also einiges getan. Grund für die Verab­schiedung des Präven­ti­ons­ge­setzes war, dass vor allem sogenannte Zivili­sa­tions- und Volks­krank­heiten um sich greifen. Sie machen rund 70 Prozent des Krank­heits­ge­schehens aus. Und von ihnen weiß man, dass sie sich durch Prävention gut verhindern oder mildern lassen.

Kran­ken­kas­sen hel­fen bei Prä­ven­tion von Burn-­out

Was der Burn-out-Prävention dient, kann auch gegen Herz-Kreislauf-Erkran­kungen oder Erkran­kungen des Muskel-Skelett-Systems helfen. Unter­nehmer mit Betriebsarzt sollten von diesem eine Präven­ti­ons­emp­fehlung einholen. Diese müssen die Kranken­kassen laut Präven­ti­ons­gesetz berück­sich­tigen. Sinnvoll ist auch, sich an einen Dienst­leister für betrieb­liches Gesund­heits­ma­nagement zu wenden. Der hilft bei der psychi­schen Gefähr­dungs­be­ur­teilung, zu der Unter­nehmer ja verpflichtet sind. Unbedingt sollten Firmen­chefs sich dann auch an die Kranken­kassen wenden, bei denen ihre Mitar­beiter versi­chert sind. Gut zu wissen: In welche Unter­nehmen eine Kranken­kasse für Prävention vorge­se­henes Geld inves­tiert, bleibt ihr überlassen – nur inves­tieren muss sie es laut Präven­ti­ons­gesetz. Hat eine gesetz­liche Kranken­kasse eine halbe Million Versi­cherte, muss sie eine Million Euro pro Jahr in betrieb­liche Gesund­heits­för­de­rungs­maß­nahmen stecken. Keine schlechte Ausgangs­basis also, zu einem guten und günstigen Angebot für die Burn-out-Prävention im Unter­nehmen zu kommen. Eine Koordi­nie­rungs­stelle erleichtert den Kontakt zu den Kranken­kassen. Wichtig ist, dass Handlungs­felder und Maßnahmen den Quali­täts­an­for­de­rungen des Leitfadens Prävention im Bereich Stress­ma­nagement entsprechen.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.


Quelle: www.trialog-unternehmerblog.de, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg

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