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Gewer­be­steuer ist eine ganz besondere Heraus­for­derung

Die Gewer­be­steuer ver­langt Un­ter­neh­mern mehr ab, als die meisten an­de­ren Steu­ern: Wis­sen, Ver­ständ­nis und na­tür­lich Geld. Be­steu­ert wer­den selbst Aus­ga­ben. Nur mit dem Steu­er­be­ra­ter las­sen sich hier trag­fä­hige Stra­te­gien zum Steu­er­spa­ren erarbeiten.

Text: Midia Nuri


Befassen sich Unter­nehmer erstmals mit der Gewer­be­steuer, kommen sie aus dem Staunen oft gar nicht mehr heraus. Denn es geht um für den Bereich Steuer­recht zunächst überra­schend schei­nende Themen. Hierzu gehört etwa eine sogenannte Infek­ti­ons­gefahr oder auch die Besteuerung von Betriebs­aus­gaben – also nicht bloß vom Ertrag. Selbst Freibe­ruflern droht bei der Gewer­be­steuer die eine oder andere Falle. Daher gehört das Thema auch für sie schon ab der Gründung auf die Beobach­tungs­liste der mögli­cher­weise relevanten Steuer­fragen. Jeder Unter­nehmer sollte seinen Steuer­be­rater hin und wieder auf die Gewer­be­steuer ansprechen und sich auf den neuesten Stand bringen lassen. Das gilt besonders für jene, die sich eigentlich gar nicht davon betroffen fühlen bezie­hungs­weise bisher keine gezahlt haben. Manchmal drohen auch ihnen Risiken, denen sie aber mithilfe des Steuer­be­raters meistens ausweichen können. Die Gewer­be­steuer ist für viele Unter­nehmer eine ungeahnte Heraus­for­derung.

Gewer­be­steuer ist ei­ne wachsen­de Belastung

Wichtige unter­neh­me­rische Entschei­dungen allein wegen steuer­licher Details zu treffen, ist selten klug. Das war hier schon zu lesen. Bei der Gewer­be­steuer liegt der Fall anders. Unter Experten grund­sätzlich unumstritten ist: Die Gewer­be­steuer recht­fertigt Entschei­dungen über Ansiedlung oder Umzug einer Firma. Das gilt mit Blick auf einen vorüber­ge­henden Steuer­nachlass für die Stand­ortwahl. Und für den kommu­nen­spe­zi­fi­schen Hebesatz der Gemeinde, aus der sich die Gewer­be­steu­er­be­lastung später errechnet. Die Gewer­be­steuer gehört selbst­ver­ständlich zur Stand­ort­analyse. Natürlich ist Rücksprache mit dem Steuer­be­rater vor Entschei­dungen von großer Tragweite essen­ziell. Aber Stand­ort­ver­än­de­rungen können sinnvoll sein. Die Gewer­be­steuer ist seit der Unter­neh­mens­steu­er­reform 2008 eine Heraus­for­derung, nicht nur für Kapital­ge­sell­schaften. Deren Anteil an der Steuer­be­lastung stieg bei einem Hebesatz von 400 auf 46,9 Prozent – von 43,1 Prozent. Während sie bei einem Hebesatz von 200 nur 30 Prozent der gesamten Steuer­be­lastung ausmacht, fällt sie bei einem gemein­de­spe­zi­fi­schen Hebesatz von 490 mit 52 Prozent ins Gewicht, so die IHK Gießen-Friedberg.

Auf Be­triebs­aus­ga­ben fällt Ge­wer­be­steuer an

Und das ist längst nicht alles. Die Gewer­be­steuer birgt weitere Heraus­for­de­rungen. So mancher Firmenchef ahnt kaum, dass sie nicht nur auf den Gewinn fällig ist, sondern mögli­cher­weise auch auf einige Betriebs­aus­gaben. Klingt komisch, ist aber eine Tatsache. Das Zauberwort lautet „Hinzu­rech­nungen“. Kurz erklärt: Unter­nehmer ermitteln ganz normal ihren Gewinn. Und müssen dann für die Gewer­be­steu­er­erklärung rechne­risch einige zuvor abgezogene Betriebs­aus­gaben wieder aufschlagen. Das gilt unter anderem für

• Entgelte für Schulden (alle Arten von Zinsauf­wen­dungen),
• Entgelte für Renten und dauernde Lasten einschließlich Pensi­ons­ver­pflich­tungen aus Direkt­zu­sagen an Arbeit­nehmer,
• Gewinn­an­teile eines stillen Gesell­schafters,
• 20 Prozent der Miet- und Pacht­zinsen (einschließlich Leasing­raten) für beweg­liche Wirtschafts­güter des Anlage­ver­mögens,
• 50 Prozent der Miet- und Pacht­zinsen (einschließlich Leasing­raten) für unbeweg­liche Wirtschafts­güter des Anlage­ver­mögens sowie die zeitlich befristete Überlassung von Rechten (Konzes­sionen und Lizenzen).

Der Steuer­be­rater kennt die Freibe­träge und weiß die Last durch Gestaltung zu lindern.

Hinzu­rech­nung bei Gewer­be­steuer bleibt rech­tens

Diese Besteuerung eigentlich steuer­min­dernder Ausgaben sorgt schon länger für Ärger. Das Hamburger Finanz­ge­richt legte wegen der grund­le­genden Bedeutung für Unter­nehmen diese Frage vor Jahren dem Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt vor. Dies lehnte die Vorlage jedoch ab. Der Bundes­fi­nanzhof hielt dann 2018 im Fall eines Hotel­be­treibers mit hohen Kosten für Miet- und Pacht­zah­lungen sowie Lizenz­ge­bühren – allesamt gewer­be­steu­er­pflichtig – eine Vorlage beim obersten Gericht nicht für nötig, womit es bei der Hinzu­rechnung bleibt. Immerhin: Kleinere Unter­nehmen betrifft diese Heraus­for­derung bei der Gewer­be­steuer oft nicht. Die Hinzu­rechnung erfolgt anteilig und nur, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro überschritten wird. Doch generell stieg auch ihre Gewer­be­steu­erlast. Beispiels­weise dadurch, dass die Gewer­be­steuer nicht mehr – wie früher einmal – als Betriebs­ausgabe bei der Körper­schafts­steu­er­erklärung zählt. Was ebenfalls bereits höchst­rich­terlich für verfas­sungs­gemäß befunden wurde.

Auch für Frei­be­ruf­ler ist Ge­wer­be­steu­er ein Thema

Also bleibt Unter­nehmern nur, jeden legalen Weg zu beschreiten, auf dem sich die Gewer­be­steuer umgehen lässt. Aller­dings ist es für viele schon eine Heraus­for­derung, überhaupt zu erkennen, dass hier Handlungs­bedarf besteht – gerade für eigentlich gewer­be­steue­r­un­ver­dächtige Freibe­rufler. Die können beispiels­weise durch zusätz­liche gewerb­liche Umsätze oder zu viele Angestellte in die Gewer­be­steu­er­pflicht rutschen. Wegen einer möglichen Abfärbung von Teilum­sätzen auf die gesamten Einnahmen – Steuer­rechts­ex­perten sprechen von „Infektion“ – gehört das Thema Gewer­be­steuer regel­mäßig ins Gespräch mit dem Steuer­be­rater. Mit ihm lässt sich die Infek­ti­ons­gefahr recht­zeitig erkennen und so eine Anste­ckung vermeiden, damit nicht alle Einnahmen unter die Gewer­be­steu­er­pflicht fallen.

Mit etwas Nach­denken lässt sich die Be­last­ung senken

Manche Gewer­be­trei­bende können auch mit etwas organi­sa­to­ri­schem Geschick ihre Gewer­be­steu­erlast senken – nämlich durch eine Betriebs­auf­spaltung. Unter­nehmer mit mehreren Stand­beinen können rechtlich vonein­ander unabhängige Einheiten schaffen und so den Gewer­be­steu­er­frei­betrag von 24.500 Euro für natür­liche Personen und Perso­nen­ge­sell­schaften mehrmals nutzen. Das spart Gewer­be­steuer. Gerade bei kleinen Unter­nehmen ist das aber keine ganz einfache Lösung. Der Steuer­be­rater sollte dabei eng einge­bunden sein. Denn damit diese durchaus legale Strategie auch wirklich greift, muss der Firmenchef seine Betriebe klar sowie effektiv vonein­ander trennen. Und natürlich prüfungs­sicher – auch wenn er letztlich alles allein oder mit ein bis zwei Mitar­beitern stemmt. Die Heraus­forderungen rund um die Gewer­be­steuer sind also wirklich zahlreich und vielfältig.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.


Quelle: www.trialog-unternehmerblog.de, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg

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