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Corporate Fashion: starker Auftritt, der Steuern spart

Sie stärkt das Gefühl der Zusam­men­ge­hö­rigkeit und dient dem Gesundheits­schutz – viele Firmen spendieren ihren Mitar­beitern einheit­liche Berufs­bekleidung. Diese Art des Marke­tings senkt zudem die Steuerlast des Betriebs.

Text: Monika Hofmann


Die MeinFern­bus­FlixBus GmbH überrascht neuer­dings mit Grün am Steuer: Ihren Fahrern und Mitar­beitern hat die Firma mit Sitz in Berlin und München eine neue Dienst­kleidung spendiert. Sie soll den Kunden signa­li­sieren, dass alle mit einer beson­deren Philo­sophie, beson­derem Elan und beson­derem Teamgeist ans Werk gehen. „Grün als unsere starke Firmen­farbe spiegelt sich in der Bekleidung wider und symbo­li­siert den jungen und aufstre­benden Spirit der Marke“, sagt Josefine Pohle, in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­kation für das Thema zuständig. „Mit einheit­licher Corporate Fashion wollen wir nach außen wie innen eine positive Wirkung erzielen.“ Einer­seits stärkt die Dienst­kleidung den Marken­auf­tritt und erleichtert die rasche Zuordnung der Beschäf­tigten, anderer­seits fühlen die sich durch ihre Kleidung noch stärker dem Unter­nehmen verbunden.

Für eine Punkt­landung wurden Kunden und Beschäf­tigte vor Projekt­beginn nach ihrer Meinung gefragt, um sie in die Entwicklung einzu­be­ziehen. Mitar­beiter trugen etwa Entwürfe zur Probe. Die so gewon­nenen Infor­ma­tionen flossen in Gespräche mit Designern und Textil­tech­nikern des Corporate-Fashion-Liefe­ranten ein. „Der ganze Prozess nahm ein Jahr in Anspruch, er wurde von einem dafür gestellten Team organi­siert“, erinnert sich Pohle. Allein die Abstimmung von Design, Stoffen und Schnitten auf die Marke dauerte rund sechs Monate. Anschließend folgten Bemus­terung und Trage­tests bei Buspartnern, Beschäf­tigten sowie der Geschäfts­führung. Doch angesichts des Ziels, der Firma einen indivi­du­ellen Auftritt zu verschaffen, ist für die Kommu­ni­ka­ti­ons­ex­pertin klar: „Diesen Aufwand inves­tieren wir gerne.“

Mitar­beiter bei Auswahl fragen

Nicht jeder Firmenchef kann sich so intensiv um den Auftritt seiner Beschäf­tigten in der Öffent­lichkeit kümmern. Aber viele haben verstanden, dass einheit­liche Kleidung profes­sionell wirkt, den Teamgeist stärkt und signa­li­siert, wofür das Unter­nehmen steht – egal, ob die Beschäf­tigten oft Kunden­kontakt haben oder eher in Büro, Praxis oder Werkstatt arbeiten. Deshalb wird Dienst­kleidung auch in kleinen Betrieben verstärkt als Marke­ting­in­strument genutzt. Monika Fuchs findet das gut, weil der erste Eindruck kaum zu korri­gieren sei. „Wer nicht mit einer ordent­lichen, zur Firma passenden Kleidung beim Kunden für eine profes­sio­nelle, seriöse Wirkung sorgt, verpasst eine riesige Chance“, sagt die Profes­sorin für Beklei­dungs­technik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Sie ist überzeugt: „Mit ihrer spezi­fi­schen Corporate Fashion nutzen gerade kleine und mittlere Betriebe die Möglichkeit, ihre Kompetenz nach außen zu zeigen und sich damit von den Konkur­renten abzuheben.“

Funktion der Kleidung klären

Das klappt nur, wenn der Firmenchef genau überlegt, was er mit Corporate Fashion erreichen will: Kunden­bindung, Mitar­bei­ter­mo­ti­vation, Stärkung des Teamgeists? „Firmen­kleidung kann helfen, Kunden zu binden und zu gewinnen“, so Ralph Hartleben, Professor für Unter­neh­mens­führung und Inter­na­tio­nales Marketing an der Ostbaye­ri­schen Techni­schen Hochschule Amberg-Weiden (OTH AW). Gerade bei Messen oder im Beratungs­ge­spräch mit Inter­es­senten sei eine profes­sio­nelle Außen­wirkung wichtig. „Daher halten immer mehr Unter­nehmer ihre Mitar­beiter dazu an, seriöse Kleidung zu tragen.“ Besonders eindrucksvoll kann es sein, wenn alle Beschäf­tigten das Logo ihrer Firma an Kragen oder Revers ähnlich geschnit­tener und in einheit­lichen Farbtönen gehal­tener Hemden und Jacken tragen. „Dies stärkt das Image der Marke und schafft Vertrauen bei den Kunden – das gilt gerade auch für regional tätige Firmen“, sagt Hartleben.

Firmen­werte trans­por­tieren

Eher nach innen wirkt die zweite Variante der Corporate Fashion. „Unter­nehmer nutzen sie besonders zur Identi­täts­stei­gerung und Motivation der Mitar­beiter“, weiß der Professor. Oft reichten kleine Acces­soires. Seit Jahren verleihe ein großer Mittel­ständler den Beschäf­tigten – je nach Firmen­zu­ge­hö­rigkeit – Ansteck­nadeln mit dezent einge­ar­bei­teten Edelsteinen: „So zeigt er Wertschätzung gegenüber treuen Mitar­beitern.“ Mit Erfolg – alle tragen die Nadel mit Stolz, sie stärkt das Gemein­schafts­gefühl. Bei der dritten Variante der Corporate Fashion geht es um temporäre Wirge­fühle, etwa durch speziell bedruckte T-Shirts für Teammit­glieder eines bestimmten Projekts. In jedem Fall gilt aber: Der Chef muss gemeinsam mit den Beschäf­tigten abstimmen, welche Botschaften und Werte die Firmen­kleidung trans­por­tieren soll.

All das funktio­niert nur auf einer soliden steuer- und arbeits­recht­lichen Basis. Daher ist mit Steuer­be­rater und Rechts­anwalt zu klären, was den Beschäf­tigten in Beklei­dungs­fragen vorge­schrieben werden darf und was der Fiskus zu solchen Ausgaben sagt. Zudem muss die Kleidung die Anfor­de­rungen an den Arbeits­schutz erfüllen, was jedoch nicht automa­tisch Lange­weile bedeutet. „Der klassische Blaumann hat längst ausge­dient“, weiß Monika Fuchs.

Sicherheit und Design vereinen

Statt­dessen bieten beispiels­weise Handwerks­be­triebe ihren Beschäf­tigten häufig Firmen­kleidung, die nicht nur alle Anfor­de­rungen des Arbeits­schutzes erfüllt, sondern auch mit anspre­chendem Design das Unter­nehmen reprä­sen­tiert sowie angenehm zu tragen ist. Viele überlassen dabei die Wäsche und Pflege sogar ganz ihrem Dienst­leister. Ein überzeu­gender Auftritt durch die passende Corporate Fashion mag nämlich wichtig für ein Unter­nehmen sein, doch zur Kernkom­petenz des Firmen­chefs gehört die Beschäf­tigung mit Berufs­be­kleidung in der Regel nicht.

Rechts­rahmen

Schützen Sie Ihre Mitar­beiter, und sparen Sie dabei noch Steuern

Was lässt sich vorschreiben? Arbeit­geber dürfen ihre Mitar­beiter per Weisungs­recht dazu verpflichten, Firmen­kleidung zu tragen, solange es zumutbar ist. Unstrittig gilt das bei vorge­schrie­bener Sicher­heits­be­kleidung. Sonst sollten Unter­nehmer ihren indivi­du­ellen Fall mit dem Anwalt klären, da dieses Thema schnell zu Streit führen kann, wie zahlreiche Urteile belegen.

Was gilt steuerlich? Schutz­kleidung wird steuer- und sozial­ver­si­che­rungsfrei gestellt und als Betriebs­ausgabe angesetzt, ebenso typische Berufs­kleidung wie Schürze und Blaumann. Bei privat tragbarer Kleidung versteuern Mitar­beiter den Sachbe­zugswert. Ausnahme: Überlässt der Chef den Beschäf­tigten wegen des einheit­lichen Erschei­nungs­bilds bürger­liche Kleidung mit Firmenlogo, steht das betrieb­liche Interesse im Vorder­grund, die Lohnsteu­er­pflicht entfällt. Übernehmen die Mitar­beiter einen Teil der Kosten, sind diese eventuell als Werbungs­kosten abziehbar.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.


Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg, Ausgabe 02/2016

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