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Krank­heits­kosten als außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen

Kosten, die aufgrund beson­derer Umstände zwangs­läufig anfallen, werden steuer­rechtlich als außer­ge­wöhn­liche Belastung bezeichnet.


Hierzu zählen auch Krank­heits­kosten. Von diesen Kosten wird eine zumutbare Belastung abgezogen. Erst dann wirken sich die außer­ge­wöhn­lichen Belas­tungen innerhalb der Einkom­men­steu­er­erklärung aus. Die Höhe dieser zumut­baren Belastung hängt von Lebens­si­tuation, Jahres­ein­kommen, Famili­en­stand und Kinderzahl ab.

Was sind außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen?

Nach der gesetz­lichen Definition liegt eine außer­ge­wöhn­liche Belastung vor, wenn einem Steuer­pflich­tigen zwangs­läufig größere Aufwen­dungen als der überwie­genden Mehrzahl der Steuer­pflich­tigen gleicher Einkommens- und Vermö­gens­ver­hält­nisse und gleichen Famili­en­stands erwachsen. Der Steuer­pflichtige muss also durch zwangs­läufige Aufwen­dungen, denen er sich aus recht­lichen, tatsäch­lichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann, belastet sein. Dabei müssen die Aufwen­dungen den Umständen nach notwendig sein und dürfen einen angemes­senen Betrag nicht übersteigen.

Zu den außer­ge­wöhn­lichen Belas­tungen zählen beispiels­weise auf Katastrophen oder Natur­er­eig­nissen beruhende Gebäu­de­schäden, Behin­de­rungs­kosten, Beerdi­gungs­kosten oder Unter­halts­kosten.

Krank­heits­kosten

Krank­heits­kosten sind durch eine Krankheit verur­sachte Kosten. Als Krank­heits­kosten gelten aber nur solche Aufwen­dungen, die zum Zwecke der Heilung oder mit dem Ziel aufge­wendet werden, die Krankheit erträg­licher zu machen bzw. zu heilen oder zu lindern.
Zu den Krank­heits­kosten zählen beispiels­weise Aufwen­dungen für:

  • Arzt, Zahnarzt und Heilprak­tiker,
  • ärztlich verordnete Arznei­mittel (inklusive Rezept­ge­bühren),
  • Zahnersatz,
  • Impfungen,
  • vorbeu­gende Unter­su­chungen wie Vorsor­ge­un­ter­su­chungen zur Früherkennung von Krank­heiten (Vorbeugung einer Krankheit),
  • Brillen und Kontakt­linsen oder
  • Hörgeräte und Gehhilfen.

Nachweis und Erstat­tungen

Die Kosten müssen dem Finanzamt nach­gewiesen werden. Den Nachweis der Zwangs­läu­figkeit von Aufwen­dungen im Krank­heitsfall hat der Steuer­pflichtige durch eine Verordnung eines Arztes oder Heilprak­tikers für Arznei-, Heil- und Hilfs­mittel zu erbringen. Auch Aufwen­dungen für alter­native Heilme­thoden kommen in Betracht. Hier ist ein amtsärzt­liches Gutachten oder eine ärztliche Beschei­nigung eines medizi­ni­schen Dienstes der Kranken­ver­si­cherung erfor­derlich, wenn es um wissen­schaftlich nicht anerkannte Behand­lungs­me­thoden geht.

Werden die Kosten durch eine Kranken­ver­si­cherung erstattet, liegt jedoch keine Belastung vor. Hat der Steuer­pflichtige eine andau­ernde Erkrankung und benötigt anhaltend bestimmte Arznei-, Heil- und Hilfs­mittel, reicht es für den Nachweis aus, wenn die Verordnung des Arztes einmalig vorgelegt wird.

Bei den Kosten für eine Brille oder Kontakt­linsen reicht es aus, wenn in der Vergan­genheit die Notwen­digkeit einer Sehhilfe durch einen Augenarzt festge­stellt wurde. In den Folge­jahren genügt die Sehschär­fen­be­stimmung eines Augen­op­tikers.

Schön­heits­ope­ra­tionen nicht abziehbar

Nicht zu den Krank­heits­kosten zählen Schön­heits­ope­ra­tionen, die nicht medizi­nisch notwendig sind. Auch die Kosten für die Anti-Baby-Pille sind nicht abziehbar. Sie werden nur anerkannt, wenn die Anti-Baby-Pille aus medizi­ni­schen Gründen, etwa bei Schizo­phrenie einge­nommen wird. In diesem Fall ist ein entspre­chendes Attest erfor­derlich.

Krankenhaus/Geburt eines Kindes

Zu den Kranken­haus­kosten zählen Aufwen­dungen für die ambulante oder stationäre Behandlung: Umfasst sind der Eigen­anteil an den Kranken­haus­kosten sowie Kranken­trans­porte und Labor­rech­nungen.

Zu den Kosten bei der Geburt eines Kindes zählen Aufwen­dungen für den Arzt, die Hebamme und die Säuglings­schwester, notwendige Medika­mente sowie Geburts­vor­be­rei­tungs­lehr­gänge.

Kurkosten

Die Kosten für eine Kur werden berück­sichtigt, wenn die Kur nachweislich zur Heilung oder Linderung notwendig ist und eine andere Behandlung nicht oder kaum aussichts­reich erscheint. Als Nachweis dienen die Beschei­nigung der Kranken­ver­si­cherung oder der Beihil­fe­be­scheid bzw. die Abrechnung der privaten Kranken­ver­si­cherung. Als Kurkosten können die Kosten für Unter­kunft und Verpflegung, Kuran­wen­dungen /-mittel und Medika­mente und Kosten für eine Begleit­person abgezogen werden.

Schuld­zinsen für die Finan­zierung von Krank­heits­kosten

Schuld­zinsen für ein Darlehen, das zur Finan­zierung der Krank­heits­kosten aufge­nommen wurde, sind außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen, wenn die Darle­hens­auf­nahme zwangs­läufig erfolgt ist.

Fahrt­kosten

Fahrt­kosten, die beispiels­weise durch die Fahrt zum Arzt, zur Apotheke, zum Anwalt bei Schei­dungs­kosten etc. entstanden sind, können als außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen geltend gemacht werden. Bei der Benutzung öffent­licher Verkehrs­mittel sind immer die tatsächlich angefal­lenen Kosten abzugs­fähig. Für Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug werden die Kosten mittels der Kilometer­pauschalen in Höhe von 0,30 € angesetzt.

Zumutbare Belastung

Es müssen zwangs­läufig größere Aufwen­dungen entstanden sein als der Mehrzahl der Steuer­pflich­tigen. Auch wenn die Krank­heits­kosten die Kriterien einer allge­meinen außer­ge­wöhn­lichen Belastung erfüllen, werden sie nicht in voller Höhe bei der Steuer­erklärung berück­sichtigt. Das Finanzamt zieht eine „zumutbare Belastung“ von den Ausgaben ab. Die Höhe dieser zumut­baren Belastung hängt von Lebens­si­tuation, Jahres­ein­kommen, Famili­en­stand und Kinderzahl ab.

Die Höhe der zumut­baren Belastung beträgt:

bei einem Gesamt­betrag der Einkünfte bis 15.340 € über 15.340 €
bis 51.130 €
über 51.130 €
bei Steuer­pflich­tigen, die keine Kinder haben und bei denen die Einkom­men­steuer nach dem Grund­tarif (Einzel­per­sonen) zu berechnen ist 5 6 7
bei Steuer­pflich­tigen, die keine Kinder haben und bei denen die Einkom­men­steuer nach dem Split­ting­tarif (zusammen veran­lagte Ehegatten oder Lebens­partner) zu berechnen ist 4 5 6
bei Steuer­pflich­tigen mit einem Kind oder zwei Kindern 2 3 4
bei Steuer­pflich­tigen mit drei oder mehr Kindern 1 1 2

Beispiel zur zumut­baren Belastung

Sie sind ledig und haben einen Sohn. Ihr Gesamt­betrag der Einkünfte beläuft sich auf 30.000 €, sodass sich eine zumutbare Belastung von 900 € ergibt (3 % von 30.000 €). Bei Krank­heits­kosten in Höhe von 1.200 € betragen die abzieh­baren außer­ge­wöhn­lichen Belas­tungen 300 €. Um diesen Betrag wird die Einkom­men­steuer ermäßigt.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.

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