Fachartikel & News

Bargeld­ge­schäfte: nicht nur sauber, sondern rein

Unter­nehmer sind verpflichtet, hohe Barzah­lungen ihrer Kunden zu dokumen­tieren. Das soll Geldwäsche verhindern. Bei Verstößen drohen empfind­liche Bußgelder. Der Steuer­be­rater hilft beim Aufbau eines durch­dachten Präven­ti­ons­systems.

Text: Eva-Maria Neuthinger


An den letzten Besuch der Bezirks­re­gierung kann sich Klaus-Dieter Heppner gut erinnern: „Die Beamten kamen, um unsere Kassen­bücher zu kontrol­lieren und zu sehen, wie wir mit hohen Bargeld­zah­lungen im Verkauf umgehen.“ Dass sie keine Hinweise auf Fehler fanden, hatte der Geschäfts­führer der Wahl-Group, mit 700 Mitar­beitern zweit­größter Renault-Händler im Bundes­gebiet, erwartet. „Der sorgfältige Umgang mit Bargeld­zah­lungen hat für uns einen hohen Stellenwert“, sagt Heppner. „Wir schulen unsere Mitar­beiter und unter­weisen sie schriftlich gemäß den gesetz­lichen Vorgaben.“ Stand­ort­über­greifend stehen Leitfäden, Formulare, Kontakt­daten des Geldwä­sche­be­auf­tragten und Risiko­ana­lysen zum Download bereit. Außerdem werden alle relevanten Geschäfts­vor­gänge nach den recht­lichen Vorgaben dokumen­tiert. So lassen sich die hohen Standards in jeder Filiale einhalten, was aber seinen Preis hat: „Der bürokra­tische Aufwand ist enorm“, sagt Heppner.

Dieser Aufwand trifft viele Unter­nehmen. Vom Autohaus über den Juwelier bis zum Antiqui­tä­ten­händler stehen unter­schied­lichste Betriebe vor dem Problem, bei hohen Bargeld­zah­lungen ihrer Kunden strenge Regeln einhalten zu müssen. Das soll den Kampf gegen Geldwäsche erleichtern. Wie bei der Wahl-Group werden die Bemühungen von den Behörden zunehmend überprüft. 2013 fanden bundesweit rund 1.600 Kontrollen statt. 2014 waren es allein in Nordrhein-Westfalen 912 schrift­liche Anfragen und 72 Besuche vor Ort. Wer als betrof­fener Firmenchef nicht koope­riert, dem drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Deshalb muss die Geldwä­sche­prä­vention ernst genommen werden.

Den Perso­nal­ausweis kopieren Wie mit Barzah­lungen umzugehen ist, regelt das Geldwä­sche­gesetz. Speziell betroffen sind gewerb­liche Güter­händler, aber auch Finanz­un­ter­nehmer, Versi­che­rungs­ver­mittler, Immobi­li­en­makler oder Rechts­an­wälte. Das oberste Gebot lautet: „Kenne deinen Kunden.“ Unter­nehmer müssen ihre Geschäfts­be­zie­hungen überwachen sowie interne Siche­rungs­maß­nahmen treffen, um Geldwäsche recht­zeitig zu bemerken. „Das ist für viele Firmen­chefs ein Problem“, berichtet Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuer­be­ra­ter­verband in Berlin aus der Praxis. „Denn das Personal ist entspre­chend einzu­weisen und braucht klare Handlungs­vor­gaben.“ Erster Ansprech­partner bei Fragen zum Aufbau eines wirksamen Kontroll­systems sollte der steuer­liche Berater sein, der auch bei der Umsetzung helfen kann.

Besondere Vorsicht gilt bei Bargeld­be­trägen ab 15.000 Euro. Wer mit Gütern handelt, muss bei diesen Zahlungen beispiels­weise den Perso­nal­ausweis oder Pass des Kunden kopieren und den Geschäfts­vorgang dokumen­tieren. Unter­lagen sind fünf Jahre aufzu­be­wahren. Wawro rät den Betrof­fenen, vor dem Aufbau ihres Systems zur Geldwä­sche­prä­vention zunächst eine geschäfts- und kunden­be­zogene Risiko­analyse vorzu­nehmen. Auf der Basis ihrer Ergeb­nisse können dann die einzelnen Maßnahmen mit dem Steuer­be­rater besprochen werden.

Wichtig sind neben einer umfas­senden Infor­mation und Schulung der Mitar­beiter Stich­proben, ob die Vorgaben einge­halten werden. Geldwä­sche­prä­vention verur­sacht viel Arbeit, wie auch die ordnungs­gemäße Kassen­führung (siehe links). „Verpflichtete müssen auf Verlangen den zustän­digen Behörden darlegen können, dass der Umfang der von ihnen getrof­fenen Maßnahmen mit Blick auf die Risiken der Geldwäsche und Terro­ris­mus­fi­nan­zierung als angemessen anzusehen ist“, betont Wawro.

Stets auf die Lesbarkeit achten Bei Verstößen gegen das Geldwä­sche­gesetz droht mindestens eine Abmahnung. Das kann schon passieren, wenn vergessen wird, auch die Rückseite der Papiere zu archi­vieren, oder Duplikate nicht lesbar sind. „Bislang haben die Bezirks­re­gie­rungen in der Regel von Bußgeldern abgesehen, da es primär darum ging, die Verpflich­teten zu sensi­bi­li­sieren“, erklärte Marie Vörckel vom Wirtschafts­mi­nis­terium in NRW auf Anfrage von TRIALOG und fügte gleich eine Warnung hinzu: „Die Aufsichts­be­hörden werden aber nach und nach dazu übergehen, Bußgelder festzu­setzen.“ Die Beamten kündigen ihren Besuch an. Im ersten Schritt nehmen sie sich die Kassen­bücher der vergan­genen drei Jahre vor und gehen alle Beträge über 15.000 Euro durch. Dann werden Geschäfte unter dieser Grenze überprüft, falls jemand mehrfach kurz hinter­ein­ander für einige Tausend Euro einge­kauft hat. Firmen­chefs sollten Kunden, die öfter so hohe Rechnungen bar bezahlen, also prinzi­piell identi­fi­zieren und dies dokumen­tieren.

Mit der Dokumen­tation allein ist es aber nicht getan. Jeder nach dem Geldwä­sche­gesetz Verpflichtete muss dem Bundes­kri­mi­nalamt sowie dem Landes­kri­mi­nalamt Sachver­halte melden, bei denen der Verdacht auf Geldwäsche oder auf Terro­ris­mus­fi­nan­zierung besteht. Gut 19.000 Hinweise gingen 2013 vonseiten der Wirtschaft bei den Behörden ein – 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Gehandelt werden sollte schon bei kleinsten Auffäl­lig­keiten. Denn wer die meldet, muss nicht gleich handfeste Beweise mitliefern. Wer aber zu lange mit einer Verdachts­meldung zögert, kann im Ernstfall dafür ins Gefängnis gehen – für eine Straftat, nämlich die Betei­ligung an der Geldwäsche.

Mit Plastikgeld zahlen lassen Juwelier Stephan Lindner kennt solche Probleme zum Glück nur vom Hören­sagen. „Wir führen zwar teilweise ein hochprei­siges Sortiment, doch bei uns kommt es sehr selten vor, dass jemand einen Betrag von mehreren Tausend Euro bar zahlt“, so der Geschäfts­führer der J. B. Fridrich GmbH & Co. KG in München. In der Regel begleichen seine Kunden ihre Rechnungen per Giro- oder Kredit­karte. „Das ist uns auch lieber“, meint Lindner. Denn den Aufwand der Dokumen­tation für Barge­schäfte möchte er vermeiden.

Bargeld

Stärkere Kontrolle der Kassen

ELEKTRONISCHE KASSEN Der Fiskus stellt höhere Anfor­de­rungen an die ordnungs­gemäße Kassen­führung und verlangt den Einsatz manipu­la­ti­ons­si­cherer elektro­ni­scher Regis­trier­kassen. Jährlich soll durch Verän­de­rungen an Kassen ein Schaden von zehn Milli­arden Euro entstehen, weil Barein­nahmen nicht dokumen­tiert oder Daten gelöscht werden. Unter­nehmer müssen daher alle Z- oder Tagesend­sum­menbons archi­vieren – mit Datum und Uhrzeit des Ausdrucks, Namen der Firma, laufender Nummer und Hinweisen zu Korrek­turen wie Stornos. Veraltete Anlagen müssen bis Ende 2016 aufge­rüstet oder ausge­tauscht sein.

EU-RICHTLINIE Die 4. EU-Geldwä­sche­richt­linie inten­si­viert die Geldwä­sche­prä­vention. Innerhalb
der nächsten zwei Jahre soll sie umgesetzt werden. Die Identi­fi­ka­ti­ons­schwelle sinkt von 15.000 Euro auf 10.000 Euro.


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.


Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg, Ausgabe 04/2015

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!