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Schaden­ersatz bei vorzei­tigem Abbruch einer eBay-Auktion

Nicht selten stellen Verkäufer bei eBay einen Artikel ein und stellen fest, dass die Verstei­gerung nicht den gewünschten Verlauf nimmt. Wie der Bundes­ge­richtshof nun in einem wichtigen Urteil entschieden hat, ist der Abbruch der eBay-Auktion lange vor dem Ende der gewählten Laufzeit kein probates Mittel.


Ein Verkäufer bot am 17. Mai 2012 auf der Internet-Plattform eBay für die Dauer von zehn Tagen ein Strom­ag­gregat zu einem Start­preis von 1 € an. Am 19. Mai 2012 brach er die Auktion vorzeitig ab. Der Kläger war zu diesem Zeitpunkt zu dem Start­gebot von 1 € Höchst­bie­tender und begehrte in dem Klage­ver­fahren – nachdem der Beklagte das Strom­ag­gregat ander­weitig veräußert hat – nunmehr Schadens­ersatz in Höhe des Werts des Strom­ag­gregats (8.500 €).

Der eBay-Verkäufer meinte, die Verstei­gerung ohne weiteres abbrechen zu dürfen und berief sich auf die eBay-AGB-Klausel § 9 Nr. 11 sowie daran anknüp­fende „Weitere Infor­ma­tionen“. Dort hieß es auszugs­weise: „… Wenn das Angebot noch 12 Stunden oder länger läuft, können Sie es ohne Einschrän­kungen vorzeitig beenden. Wenn zum Zeitpunkt der Beendung des Angebots Gebote für den Artikel vorliegen, werden Sie gefragt, ob Sie die Gebote streichen oder den Artikel an den Höchst­bie­tenden verkaufen möchten.“

Entscheidung Der unter Bundes­ge­richtshof hat mit Urteil vom 10.12.2014 Az. VIII ZR 90/14 entschieden, dass dem Käufer ein Anspruch auf Schaden­ersatz in Höhe von 8.500 € zusteht. Zwischen dem Kläger als Höchst­bie­tendem und dem Beklagten war demnach ein Kaufvertrag über das Strom­ag­gregat zum Preis von 1 € zustande gekommen.

Das Verkaufs­an­gebot war aus Sicht des an der Auktion teilneh­menden Bieters dahin auszu­legen, dass es nur unter dem Vorbehalt einer der eBay-AGB berech­tigten Angebots­rück­nahme stand. Es lag jedoch keiner der dort benannten Gründe zur Rücknahme des Angebots vor.

Deshalb war das Angebot entgegen der Auffassung des Verkäufers nicht unver­bindlich. Denn aus den an der eBay-AGB anknüp­fenden „Weiteren Infor­ma­tionen“ lässt sich nicht entnehmen, dass ein Angebot ohne einen dazu berech­ti­genden Grund zurück­ge­nommen werden darf. Das gilt auch dann, wenn die Auktion – wie hier – noch 12 Stunden oder länger läuft. Die „Weiteren Infor­ma­tionen“ sind lediglich als Ergänzung hinsichtlich der prakti­schen Durch­führung der Angebots­rück­nahme zu verstehen. Nach ihrem gesamten Inhalt sollen sie dagegen nicht die – dem Geschäfts­modell einer eBay-Auktion zugrunde liegende – Bindung an das Angebot für die Dauer der Auktion weiter einschränken, als dies bereits unmit­telbar in den eBay-AGB geschieht.

Fazit Das Urteil zeigt, dass der vorzeitige Abbruch einer Verstei­gerung bei eBay drama­tische Folgen haben kann. eBay-Verkäufer sollten eine Auktion daher nicht abbrechen, weil der Verkauf sich nicht lohnt.


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