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Arbeits­si­cherheit: Schutz­kleidung ist Chefsache

Jeder Unter­nehmer muss mögliche Gefahren an den Arbeits­plätzen seiner Beschäf­tigten beurteilen und besei­tigen oder zumindest das Verlet­zungs­risiko minimieren. Wer dies versäumt, zahlt bei einem Unfall eventuell teuer für die Folgen.

Autor: Pia Weber


Sieben Uhr morgens: Die Mitar­beiter der Firma Bad & Heizung Kreuz GmbH in Schall­stadt bei Freiburg machen sich zur Abfahrt bereit. Auf dem Einsatzplan steht die Montage einer Solar­anlage. Jeder Handwerker trägt den namentlich gekenn­zeich­neten Rucksack, der seine persön­liche Schutz­aus­rüstung (PSA) enthält, von der Schutz­brille bis zu den Sicher­heits­ar­beits­schuhen. Auf der Baustelle erwartet die Monteure ein Gerüst, auf dem sie sich sicher bewegen können. Das ist eine Konse­quenz aus der Gefähr­dungs­be­ur­teilung, die Firmenchef Joachim Kreuz automa­tisch vor jedem Projekt erstellen lässt. Gut 400 Euro berechnet er den Auftrag­gebern für das Gerüst – bislang gab es keine Proteste. „Die Kunden akzep­tieren begründete Kosten für Arbeits­schutz und bezahlen sie auch“, sagt Kreuz. „Ich denke, dieses Vorgehen hat das Image unserer Firma als zuver­läs­siger Partner gestärkt.“

So eine Gefähr­dungs­be­ur­teilung ist das Herzstück des betrieb­lichen Arbeits­schutzes und muss laut Arbeits­schutz­gesetz in jedem Betrieb mit mindestens einem Beschäf­tigten für jede Tätigkeit erstellt werden. Ermittelt wird, welche Gesund­heits­ge­fahren oder Unfall­quellen sich aus der Arbeit ergeben könnten und welche Gegen­maß­nahmen notwendig sind. Neben der Frage, inwieweit die Beschäf­tigten etwa unter Lärm, Gefahr­stoffen oder körperlich schwerer Arbeit leiden, geht es auch um psychische Belas­tungen. Dazu zählen laut Stress­report 2012 Termin­druck, Störungen und Unter­bre­chungen bei der Arbeit, hohe Arbeits­ge­schwin­digkeit sowie die gleich­zeitige Bearbeitung verschie­dener Aufgaben. Solche gesund­heit­lichen Belas­tungen zeigen Wirkung. 2011 haben mit einem Anteil von über 40 Prozent erstmals mehr Menschen eine Erwerbs­min­de­rungs­rente wegen psychi­scher Störungen erhalten als wegen Muskel- und Skelet­ter­kran­kungen oder Herz-Kreislauf-Problemen, so die Statistik der Deutschen Renten­ver­si­cherung.

PERSÖNLICHE HAFTUNG DROHT Obwohl unmiss­ver­ständlich dazu verpflichtet, drückt sich noch knapp jeder fünfte Unter­nehmer um die Gefähr­dungs­be­ur­teilung. Dies besagt beispiels­weise das Dekra-Arbeits­si­cher­heits­ba­ro­meter 2013/2014, für das 800 meist kleine und mittlere Betriebe befragt wurden. Vielen Firmen­chefs scheint gar nicht klar zu sein, welch großes Risiko sie damit eingehen. „Kommt es in diesem Fall zu einem Arbeits­unfall, dann haftet der Unter­nehmer persönlich“, sagt Dekra-Arbeits­schutz-Experte Fatih Yilmaz.

Aller­dings lassen sich immer mehr Verant­wort­liche bewusst auf das Thema ein – vor allem, weil sie erkennen, dass sie angesichts des drohenden Fachkräf­te­mangels bald nur noch quali­fi­ziertes Personal finden werden, wenn neben den allge­meinen Arbeits­be­din­gungen auch die Sicher­heits­maß­nahmen am Arbeits­platz stimmen. „Wir begegnen öfter Unter­nehmen, die versuchen, mehr für Arbeits- und Gesund­heits­schutz zu tun als gesetzlich vorge­schrieben“, hat Yilmaz beobachtet. Für zwei Drittel sei „Beruf und körper­liche Fitness“ ein zentrales Thema der betrieb­lichen Gesund­heits­po­litik. Der demogra­fische Wandel und psychische Belas­tungen werden von jedem Zweiten als Gründe genannt. Weitsichtige Firmen­chefs verstehen die positiven Effekte durch eine unfall­freie Umgebung und eine gesunde Beleg­schaft. „Sie erreichen geringere Fehlzeiten, größere Arbeits­zu­frie­denheit und höhere Produk­ti­vität“, so Yilmaz.

So tickt auch Joachim Kreuz. „Arbeits­schutz ist nicht das lästige Befolgen von Gesetzen“, meint der Handwerker. „Er ist vielmehr die Voraus­setzung dafür, dass abends wieder alle gesund und unver­sehrt von der Baustelle zurück nach Hause kommen.“ Vor etwa vier Jahren begann er, diese Ansicht mithilfe eines externen Beraters nachhaltig im Unter­nehmen zu verankern. Alle Arbeits­pro­zesse bei der Bad & Heizung Kreuz GmbH wurden unter Aspekten des Arbeits­schutzes unter­sucht. Zusammen mit den Beschäf­tigten formu­lierte Kreuz Unter­neh­mens­leit­linien zum Arbeits­schutz und entwi­ckelte einfach zu handha­bende Formblätter, damit jeder die Leitlinien in der täglichen Arbeit nachlesen und umsetzen kann.

MITARBEITER SOLLTEN MITREDEN Inzwi­schen gibt es auf jeder Baustelle einen „Auftrags­ver­ant­wort­lichen vor Ort“ (AvO). Das ist einer von mehreren Gesellen, denen Kreuz die unter­neh­me­rische Aufgabe für den Arbeits­schutz schriftlich übertragen hat. Dadurch ist der AvO weisungs­befugt gegenüber den Kollegen und verhand­lungs- oder auskunfts­be­rechtigt gegenüber Partnern und Bauherren. Zu den Aufgaben des AvO gehört unter anderem, von jeder Baustelle auf einem spezi­ellen Vordruck eine Gefähr­dungs­be­ur­teilung anzufer­tigen und Gegen­maß­nahmen zu ergreifen – etwa, indem ein Gerüst für das sichere Montieren einer Solar­anlage bestellt wird. So werden die gesetz­lichen Anfor­de­rungen erfüllt und die tatsäch­lichen Risiken minimiert.

Damit in Sachen Arbeits­si­cherheit immer alle auf dem Laufenden sind, finden bei der Bad & Heizung Kreuz GmbH pro Jahr sechs Mitar­bei­ter­be­spre­chungen statt. „Dazu kommen die Beschäf­tigten eine halbe Stunde früher in den Betrieb“, berichtet Kreuz. „Das zeigt, wie wichtig ihnen das Thema inzwi­schen ist.“ Bei diesen Bespre­chungen führt nicht immer der Firmenchef das Wort. Häufig präsen­tieren seine Mitar­beiter Neuerungen. „Konse­quenter Arbeits­schutz lebt davon, dass sich alle angesprochen fühlen und sich engagieren“, ist Kreuz überzeugt.

Geset­zes­rahmen

Diese Anfor­de­rungen müssen Sie bei der Arbeits­si­cherheit erfüllen


Wahlfreiheit: Kleinen und mittleren Betrieben lassen die Berufs­ge­nos­sen­schaften die Wahl zwischen Regel­be­treuung und Unter­neh­mer­modell, auch alter­native Betreuung genannt. Möglich ist eine Wahl je nach Branche bei bis zu durch­schnittlich weniger als 51 Mitar­beitern.

Unter­neh­mer­modell: Der Firmenchef absol­viert die von der Berufs­ge­nos­sen­schaft festge­legten Infor­ma­tions-, Motiva­tions- und Fortbil­dungs­maß­nahmen. Zudem muss er eine quali­fi­zierte, bedarfs­ge­rechte überbe­trieb­liche Beratung zu Fragen des Arbeits­schutzes in Anspruch nehmen.

Regel­be­treuung: Der Firmenchef überträgt das Thema einer Fachkraft und benennt einen Betriebsarzt. Die Grund­be­treuung bei bis zu zehn Beschäf­tigten umfasst Basis­leis­tungen nach dem Arbeits­si­cher­heits­gesetz, die unabhängig von der Größe des Betriebs sind. Dabei gelten für die Experten feste Einsatz­zeiten. Ab elf Mitar­beitern ist zusätzlich noch eine betriebs­spe­zi­fische Betreuung erfor­derlich, damit auch betrieb­liche Beson­der­heiten berück­sichtigt werden. Eine pauschale Festlegung von Einsatz­zeiten ist für diesen Teil der Betreuung nicht möglich.

Gefähr­dungs­be­ur­teilung: Der Firmenchef muss mögliche Gesund­heits­ge­fahren im Betrieb schriftlich erfassen (lassen) sowie Maßnahmen zu deren Besei­tigung festlegen und umsetzen. Die Mitar­beiter sollten schriftlich bestä­tigen, dass sie eine Sicher­heits­be­lehrung erhalten haben. Spätestens alle fünf Jahre ist eine Aktua­li­sierung nötig, an der – falls vorhanden – der Betriebsrat mitwirken sollte. Formulare, Vordrucke und Infor­ma­tionen liefert die Berufs­ge­nos­sen­schaft.



Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürnberg, Ausgabe 01/2014

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