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Die Steuer­klas­senwahl

Das Finanzamt ordnet jedem Arbeit­nehmer eine Steuer­klasse zu. Es gibt sechs Steuer­klassen zur Berechnung der Lohnsteuer eines Arbeit­nehmers. Die Steuer­klasse richtet sich in erster Linie nach dem Famili­en­stand. Allein­ste­henden ordnet das Finanzamt automa­tisch die Steuer­klasse I zu. Nur Ehepaare können zwischen verschie­denen Steuer­klassen wählen.

Dieser Artikel gibt einen Überblick, welche Steuer­klassen es gibt und welche Bedeutung sie haben.


Details der Steuer­klassen Die Steuer­klasse I gilt für ledige und geschiedene Arbeit­nehmer, für Arbeit­nehmer nach der Auflösung einer Lebens­part­ner­schaft sowie für verheiratete/verpartnerte Arbeit­nehmer, deren Ehegatte/Lebenspartner im Ausland wohnt oder die von ihrem Ehegatten/Lebenspartner dauernd getrennt leben. Verwitwete Arbeit­nehmer gehören ab dem Kalen­derjahr 2014 ebenfalls in die Steuer­klasse I, wenn der Ehegatte/Lebenspartner vor dem 1. Januar 2013 verstorben ist. In die Steuer­klasse I gehören auch Arbeit­nehmer, die beschränkt einkom­men­steu­er­pflichtig sind.

Die Steuer­klasse II gilt für die zu Steuer­klasse I genannten Arbeit­nehmer, wenn ihnen der Entlas­tungs­betrag für Allein­er­zie­hende zusteht. Voraus­setzung für die Gewährung des Entlas­tungs­be­trags ist, dass der Arbeit­nehmer allein­stehend ist und zu seinem Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das ihm ein Freibetrag für Kinder oder Kindergeld zusteht und das bei ihm mit Haupt- oder Neben­wohnung gemeldet ist.

Die Steuer­klasse III gilt auf Antrag für Arbeit­nehmer, die verheiratet/verpartnert sind, und, wenn beide Ehegatten/Lebenspartner im Inland wohnen, nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte/Lebenspartner des Arbeit­nehmers keinen Arbeitslohn bezieht oder Arbeitslohn bezieht und in die Steuer­klasse V einge­reiht wird. Verwitwete Arbeit­nehmer gehören im Kalen­derjahr 2014 in Steuer­klasse III, wenn der Ehegatte/Lebenspartner nach dem 31. Dezember 2012 verstorben ist, beide Ehegatten/Lebenspartner an dessen Todestag im Inland gewohnt und nicht dauernd getrennt gelebt haben.

Die Steuer­klasse IV gilt für Arbeit­nehmer, die verheiratet/verpartnert sind, und, wenn beide Ehegatten/Lebenspartner Arbeitslohn beziehen, im Inland wohnen und nicht dauernd getrennt leben.

Die Steuer­klasse V tritt für einen der Ehegatten/Lebenspartner an die Stelle der Steuer­klasse IV, wenn der andere Ehegatte/Lebenspartner auf Antrag beider Ehegatten/Lebenspartner in die Steuer­klasse III einge­reiht wird.

Die Steuer­klasse VI gilt bei Arbeit­nehmern, die neben­ein­ander von mehreren Arbeit­gebern Arbeitslohn beziehen, für die Einbe­haltung der Lohnsteuer vom Arbeitslohn aus dem zweiten und weiteren Dienst­ver­hältnis. Den Lohnsteu­er­abzug nach der Steuer­klasse VI sollten Sie den Arbeit­geber vornehmen lassen, von dem Sie den niedri­geren Arbeitslohn (gekürzt um etwaige Freibe­träge) beziehen.

Steuer­klassen bei Ehegatten oder Lebens­partnern Ehegatten oder Lebens­partner, die beide unbeschränkt steuer­pflichtig sind, nicht dauernd getrennt leben und beide Arbeitslohn beziehen, können für den Lohnsteu­er­abzug wählen, ob sie beide in die Steuer­klasse IV einge­ordnet werden wollen oder ob einer von ihnen (der Höher­ver­die­nende) nach Steuer­klasse III und der andere nach Steuer­klasse V besteuert werden will.

Die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V ist so gestaltet, dass die Summe der Steuer­ab­zugs­be­träge beider Ehegatten oder Lebens­partner in etwa der zu erwar­tenden Jahres­steuer entspricht, wenn der in Steuer­klasse III einge­stufte Ehegatte oder Lebens­partner ca. 60 Prozent, der in Steuer­klasse V einge­stufte ca. 40 Prozent des gemein­samen Arbeits­ein­kommens erzielt.

Bei abwei­chenden Verhält­nissen des gemein­samen Arbeits­ein­kommens kann es aufgrund des verhält­nis­mäßig niedrigen Lohnsteu­er­abzugs zu Steuer­nach­zah­lungen kommen. Aus diesem Grund besteht bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V generell die Pflicht zur Abgabe einer Einkom­men­steu­er­erklärung.

Zur Vermeidung von Steuer­nach­zah­lungen bleibt es den Ehegatten oder Lebens­partnern daher unbenommen, sich trotzdem für die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation IV/IV zu entscheiden, wenn sie den höheren Steuer­abzug bei dem Ehegatten oder Lebens­partner mit der Steuer­klasse V vermeiden wollen; dann entfällt jedoch für den anderen Ehegatten oder Lebens­partner die günstigere Steuer­klasse III. Zudem besteht die Möglichkeit, die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation IV/IV mit Faktor zu wählen.

Auswir­kungen der Steuer­klas­senwahl oder des Faktor­ver­fahrens Bei der Wahl der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation oder der Anwendung des Faktor­ver­fahrens sollten die Ehegatten oder Lebens­partner daran denken, dass die Entscheidung auch die Höhe der Entgelt-/Lohn­er­satz­leis­tungen, wie Arbeits­lo­sengeld I, Unter­haltsgeld, Krankengeld, Versor­gungs­kran­kengeld, Verletz­tengeld, Übergangsgeld, Elterngeld und Mutter­schaftsgeld oder die Höhe des Lohnan­spruchs bei der Alters­teilzeit beein­flussen kann.

Eine vor Jahres­beginn getroffene Steuer­klas­senwahl wird bei der Gewährung von Lohner­satz­leis­tungen von der Agentur für Arbeit grund­sätzlich anerkannt. Wechseln Ehegatten oder Lebens­partner im Laufe des Kalen­der­jahres die Steuer­klassen, können sich bei der Zahlung von Entgelt-/Lohn­er­satz­leis­tungen (z. B. wegen Arbeits­lo­sigkeit eines Ehegatten oder Inanspruch­nahme von Alters­teilzeit) unerwartete Auswir­kungen ergeben. Deshalb sollten Arbeit­nehmer, die damit rechnen, in abseh­barer Zeit eine Entgelt-/Lohn­er­satz­leistung für sich in Anspruch nehmen zu müssen oder diese bereits beziehen, vor der Neuwahl der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation bzw. der Anwendung des Faktor­ver­fahrens zu deren Auswirkung auf die Höhe der Entgelt-/Lohn­er­satz­leistung den zustän­digen Sozial­leis­tungs­träger bzw. den Arbeit­geber befragen.

Zuständige Behörde für die Anträge Anträge zum Steuer­klas­sen­wechsel oder zur Anwendung des Faktor­ver­fahrens sind an das Finanzamt zu richten, in dessen Bezirk die Ehegatten oder Lebens­partner im Zeitpunkt der Antrag­stellung ihren Wohnsitz haben. Die Steuer­klasse ist eines der für den Lohnsteu­er­abzug maßge­benden Lohnsteu­er­ab­zugs­merkmale.

Im Kalen­derjahr 2014 gilt die im Kalen­derjahr 2013 verwendete Steuer­klasse weiter. Soll diese Steuer­klasse nicht zur Anwendung kommen, kann eine andere Steuer­klasse oder abwei­chende Steuer­klas­sen­kom­bi­nation beim zustän­digen Finanzamt beantragt werden. Weil ein solcher Antrag nicht als Wechsel der Steuer­klassen gilt, geht das Recht, einmal jährlich die Steuer­klasse zu wechseln, nicht verloren. Für das Faktor­ver­fahren gilt dies entspre­chend.

Ein Steuer­klas­sen­wechsel oder die Anwendung des Faktor­ver­fahrens im Laufe des Jahres 2014 kann in der Regel nur einmal, und zwar spätestens bis zum 30. November 2014, beim Wohnsitz­fi­nanzamt beantragt werden. Nur in den Fällen, in denen im Laufe des Jahres 2014 ein Ehegatte oder Lebens­partner keinen Arbeitslohn mehr bezieht (z. B. Ausscheiden aus dem Dienst­ver­hältnis) oder verstirbt, kann das Wohnsitz­fi­nanzamt bis zum 30. November 2014 auch noch ein weiteres Mal einen Steuer­klas­sen­wechsel vornehmen oder das Faktor­ver­fahren anwenden.

Das Gleiche gilt, wenn ein Ehegatte oder Lebens­partner nach voran­ge­gan­gener Arbeits­lo­sigkeit wieder Arbeitslohn bezieht, nach einer Elternzeit das Dienst­ver­hältnis wieder aufnimmt oder wenn sich die Ehegatten oder Lebens­partner im Laufe des Jahres auf Dauer trennen. Der Antrag ist von beiden Ehegatten oder Lebens­partnern gemeinsam mit dem beim Finanzamt erhält­lichen Vordruck „Antrag auf Steuer­klas­sen­wechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ oder in Verbindung mit der Berück­sich­tigung eines Freibe­trags auf dem amtlichen Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ bzw. „Verein­fachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ zu stellen. Bei der Wahl des Faktor­ver­fahrens sind zusätzlich die voraus­sicht­lichen Arbeits­löhne des Jahres 2014 aus den ersten Dienst­ver­hält­nissen anzugeben.

Faktor­ver­fahren Anstelle der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V können Arbeit­nehmer-Ehegat­ten/­Le­bens­partner auch die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation IV/IV mit Faktor wählen. Durch das Faktor­ver­fahren wird erreicht, dass bei jedem Ehegatten oder Lebens­partner die steuer­ent­las­tenden Vorschriften (insbe­sondere der Grund­frei­betrag) beim eigenen Lohnsteu­er­abzug berück­sichtigt werden (Anwendung der Steuer­klasse IV).

Mit dem Faktor 0,… (immer kleiner als eins) wird außerdem die steuer­min­dernde Wirkung des Split­ting­ver­fahrens beim Lohnsteu­er­abzug berück­sichtigt. Der Antrag kann beim Finanzamt formlos oder in Verbindung mit dem förmlichen Antrag auf Eintragung eines Freibe­trags gestellt werden. Dabei sind die voraus­sicht­lichen Arbeits­löhne des Jahres 2014 aus den ersten Dienst­ver­hält­nissen anzugeben.

Das Finanzamt berechnet danach den Faktor mit drei Nachkom­ma­stellen ohne Rundung und trägt ihn jeweils zur Steuer­klasse IV ein. Der Faktor wird wie folgt berechnet: voraus­sicht­liche Einkom­men­steuer im Split­ting­ver­fahren („Y“) geteilt durch die Summe der Lohnsteuer für die Arbeit­nehmer-Ehegat­ten/­Le­bens­partner gemäß Steuer­klasse IV („X“). Ein etwaiger Freibetrag wird hier nicht gesondert berück­sichtigt, weil er bereits in die Berechnung der voraus­sicht­lichen Einkom­men­steuer im Split­ting­ver­fahren einfließt.

Die Arbeit­geber der Ehegatten oder Lebens­partner ermitteln die Lohnsteuer nach Steuer­klasse IV und mindern sie durch Multi­pli­kation mit dem entspre­chenden Faktor. Die Höhe der steuer­min­dernden Wirkung des Split­ting­ver­fahrens hängt von der Höhe der Lohnun­ter­schiede ab. Mit dem Faktor­ver­fahren wird der Lohnsteu­er­abzug der voraus­sicht­lichen Jahres­steu­er­schuld sehr genau angenähert. Damit können höhere Nachzah­lungen (und ggf. auch Einkom­men­steuer-Voraus­zah­lungen) vermieden werden, die bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V auftreten können.

In solchen Fällen ist die Summe der Lohnsteuer im Faktor­ver­fahren dann folge­richtig höher als bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V. Grund­sätzlich führt die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation IV/IV-Faktor zu einer erheblich anderen Verteilung der Lohnsteuer zwischen den Ehegatten oder Lebens­partnern als die Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V.

Die Ehegatten oder Lebens­partner sollten daher beim Faktor­ver­fahren – ebenso wie bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V – daran denken, dass dies die Höhe der Entgelt-/Lohn­er­satz­leis­tungen oder die Höhe des Lohnan­spruchs bei Alters­teilzeit beein­flussen kann.

Steuer­klassen IV/IV oder III/V oder Faktor­ver­fahren Es lässt sich nicht allgemein feststellen, welche Wahl am besten ist. Die Frage lässt sich nur nach den persön­lichen Verhält­nissen und Inter­essen entscheiden. Soll sich die Lohnsteu­er­be­lastung und die Aufteilung der Lohnsteuer zwischen den Ehegatten/Lebenspartnern im Wesent­lichen nach dem Verhältnis der Arbeits­löhne richten, so kommt das Faktor­ver­fahren in Betracht. Sollte im Laufe des Kalen­der­jahres möglichst wenig Lohnsteuer einbe­halten werden, ist zu prüfen, bei welcher Steuer­klas­sen­kom­bi­nation (III/V oder IV/IV) sich in Ihrem Fall insgesamt der geringste Steuer­abzug ergibt.

Durch die Steuer­klas­senwahl kann auch darauf Einfluss genommen werden, ob sich nach Ablauf des Jahres eine Steuer­erstattung oder Steuer­nach­zahlung ergibt. Bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation III/V und beim Faktor­ver­fahren besteht die Pflicht zur Einkom­men­steu­er­ver­an­lagung, wobei zu wenig oder zu viel gezahlte Steuern ausge­glichen werden.

Bei der Steuer­klas­sen­kom­bi­nation IV/IV kann zur Erstattung überzahlter Steuern die Veran­lagung zur Einkom­men­steuer beantragt werden.

Wenn Sie zur Einkom­men­steuer veranlagt werden und mit einer Nachzahlung zu rechnen ist, kann das Finanzamt aller­dings im Hinblick auf die voraus­sicht­liche Einkom­men­steu­er­schuld Einkom­men­steuer-Voraus­zah­lungen festsetzen. Dadurch wird ein aufgrund Ihrer Steuer­klas­senwahl zu geringer Lohnsteu­er­abzug bereits im Laufe des Kalen­der­jahres korri­giert. Eine Steuer­nach­zahlung wird jedoch in der Regel vermieden, wenn Sie die Steuer­klassen IV/IV wählen.

Wichtig: Die im Laufe des Jahres einbe­haltene Lohnsteuer besagt nichts über die Höhe der zutref­fenden Jahres­steuer. Die Jahres­ein­kom­men­steuer wird nicht durch die Steuer­klas­senwahl beein­flusst.

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