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Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage aus steuer­recht­licher Sicht

Von zuneh­mender Bedeutung ist der Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage. Unter Photo­voltaik versteht man die direkte Umwandlung von Licht­energie, meist aus Sonnen­licht, in elektrische Energie mittels Solar­zellen. Immer mehr private Hausbe­sitzer entscheiden sich für eine solche Anlage auf Ihrem Dach. Auch die Verrin­gerung der Einspei­se­ver­gü­tungen für Photo­vol­ta­ik­an­lagen mit Wirkung ab 01.04.2012 hat zu keiner Änderung des Trends geführt. Nachfol­gender Artikel gibt einen Überblick, welche Folgen der Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage durch private Hausbe­sitzer aus steuer­recht­licher Sicht hat.


Grundsätzlich liegt durch den Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage eine unter­neh­me­rische Tätigkeit vor, da der erzeugte Strom in das Netz einge­speist und an den jewei­ligen Netzbe­treiber verkauft wird. Bei den meisten Photo­vol­ta­ik­an­lagen handelt es sich um netzge­kop­pelte Photo­vol­ta­ik­an­lagen, bei denen der durch einen photo­elek­tri­schen Effekt aus der einfal­lenden Sonnen­strahlung erzeugte Gleich­strom in Wechsel­strom umgewandelt und über einen Zähler ins öffent­liche Stromnetz einge­speist wird. Die Aufnahme der unter­neh­me­ri­schen Tätigkeit ist dem zustän­digen Finanzamt anzuzeigen. Zu diesem Zweck stellt das Finanzamt dem Unter­nehmer einen Frage­bogen zur steuer­lichen Erfassung zur Verfügung.

Unabhängig von der steuer­lichen Erfassung stellt sich die Frage, ob eine Gewer­be­an­meldung erfor­derlich ist. In diesem Zusam­menhang ist nicht die Leistungs­fä­higkeit, also die Größe der Photo­vol­ta­ik­anlage, für eine Gewer­be­an­meldung als Kriterium heran­zu­ziehen. Entscheidend ist vielmehr, ob der Betrieb der Anlage dem für ein Gewerbe typischen nachhal­tigen Gewinn­streben dient. Der Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage auf dem Dach eines selbst genutzten Gebäudes stellt dabei grund­sätzlich keine gewer­be­rechtlich relevante Tätigkeit dar, da es insbe­sondere an einer gewissen Inten­sität des Gewinn­strebens fehlt.

Photo­vol­ta­ik­anlage und Umsatz­steuer. Die Einnahmen aus der Photo­vol­ta­ik­anlage unter­liegen grund­sätzlich der Umsatz­steuer. Dies gilt jedoch nicht für sogenannte Klein­un­ter­nehmer. Ein Klein­un­ter­nehmer ist ein Unter­nehmer, der im Inland ansässig ist und dessen Gesamt­umsatz im Gründungsjahr (zeitan­teilig) bzw. voran­ge­gan­genen Kalen­derjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und dessen Umsatz zuzüglich Steuer im laufenden Kalen­derjahr voraus­sichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen wird.

Auf die Klein­un­ter­neh­mer­re­gelung kann jedoch auch verzichtet werden. Der Verzicht wird in vielen Fällen auch wahrge­nommen. Der private Photo­vol­ta­ik­an­la­gen­be­treiber wird, wenn er sich für die Regel­be­steuerung entscheidet, steuerlich wie jeder andere Unter­nehmer behandelt. Er muss dem Energie­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen Umsatz­steuer in Höhe von 19 % berechnen und diese an das Finanzamt abführen. Im Gegenzug bekommt der Betreiber der Photo­vol­ta­ik­anlage, sofern er die gesetz­lichen Voraus‑
setzungen erfüllt, die von ihm gezahlte Umsatz­steuer (beispiels­weise für die Anschaffung, Instal­lation oder spätere Wartung der Photo­vol­ta­ik­anlage) als Vorsteuer zurück­er­stattet bezie­hungs­weise verrechnet.

Soweit durch Photo­vol­ta­ik­an­lagen selbst erzeugter Strom dezentral verbraucht wird und der Anlagen­be­treiber hierfür eine verrin­gerte Vergütung nach § 33 Abs. 2 EEG erhält, wird dieser Strom umsatz­steu­er­rechtlich an den Netzbe­treiber geliefert und von diesem wiederum (zurück)geliefert. Die Verzichts­er­klärung ist ohne besondere Form gegenüber dem Finanzamt abzugeben und bindet für fünf Kalen­der­jahre.

Umsatz­steuer-Voranmel­dungen. Unter­nehmer müssen monatlich oder viertel­jährlich eine Umsatz­steuer-Voranmeldung beim Finanzamt abgeben. Der Rhythmus richtet sich nach der Zahllast. Bei einer Zahllast über 7.500 Euro ist eine monat­liche Voranmeldung der Umsatz­steuer erfor­derlich. Bei einer Zahllast bis 1.000 Euro ist eine Jahres­um­satz­steu­er­erklärung ausrei­chend. Beträgt die Zahllast mehr als 1.000 Euro, aber weniger als 7.500 Euro, dann erfolgt die Voranmeldung viertel­jährlich. Im Jahr der Existenz­gründung und im Folgejahr ist die Umsatz­steuer-Voranmeldung jedoch immer monatlich einzu­reichen, unabhängig von der Zahllast.

Die Umsatz­steuer-Voranmel­dungen sind regel­mäßig auf elektro­ni­schem Wege beim Finanzamt einzu­reichen. Sie ist immer bis zum 10. Tag nach Ende jedes Erfas­sungs­zeit­raums (z. B. bis 10. März für Februar) abzugeben. In Betracht kommt ein Antrag auf Dauer­frist­ver­län­gerung, sodass die Voranmeldung einen Monat später zu übermitteln ist. In der Umsatz­steuer-Voranmeldung werden die erzielten Umsätze angegeben und daraus wird die Umsatz­steuer errechnet. Von der ermit­telten Umsatz­steuer können als Vorsteuer jene Umsatz­steu­er­be­träge abgezogen werden, die im Zusam­menhang mit der Photo­vol­ta­ik­anlage in Rechnung gestellt worden sind.

Umsatz­steu­er­erklärung. Nach Ablauf des Jahres ist eine (zusam­men­fas­sende) Umsatz­steu­er­jah­res­er­klärung abzugeben.

Photo­vol­ta­ik­an­lagen und Einkom­men­steuer. Die Einkünfte, die mit der Photo­vol­ta­ik­anlage erzielt werden, müssen in der Anlage G zur Einkom­men­steu­er­erklärung dekla­riert werden. Es handelt sich um Einkünfte aus Gewer­be­be­trieb. In der Regel kann der Gewinn oder Verlust durch Gegen­über­stellung der Betriebs­ein­nahmen und Betriebs­aus­gaben ermittelt werden. Die Anschaf­fungs­kosten der Anlage (gemindert um evtl. Zuschüsse) sind dabei auf die Nutzungs­dauer zu verteilen und als Abset­zungen für Abnutzung (AfA) zu berück­sich­tigen. Wer Einnahmen von mehr als 17.500 Euro pro Jahr erreicht (brutto), muss die amtlich vorge­gebene Anlage EÜR dafür verwenden.

Ergeben sich aus der Photo­vol­ta­ik­anlage in den Anfangs­jahren Verluste, so können diese steuerlich berück­sichtigt werden, wenn aus der Anlage, über deren gesamte Nutzungs­dauer von 20 Jahren gerechnet, voraus­sichtlich ein (Total-)Gewinn erwirt­schaftet wird.

Photo­vol­ta­ik­an­lagen und Gewer­be­steuer. Die aus dem Verkauf des Stroms erzielten Einnahmen zählen zu den Einkünften aus Gewer­be­be­trieb und sind daher grund­sätzlich gewer­be­steu­er­pflichtig. Gewer­be­steuer fällt aller­dings erst an, wenn der Gewer­be­ertrag (Gewinn aus Gewer­be­be­trieb unter Berück­sich­tigung der gewer­be­steu­er­lichen Hinzu­rech­nungen und Kürzungen) den Freibetrag von 24.500 Euro überschreitet.

Elektro­nische Übersendung der Erklärung. Beginnend mit der Steuer­erklärung 2011 sind Unter­nehmer verpflichtet, ihre Jahres­steu­er­erklä­rungen auf elektro­ni­schem Weg an das Finanzamt zu übermitteln.

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