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Devisen­märkte im Überblick

Markt­kom­mentar der quirin bank AG / 1. Quartal 2012

Eine seriöse Prognose über künftige Währungs­ent­wick­lungen abzugeben, gilt seit jeher immer als ein sehr schwie­riges Unter­fangen, da Währungs­kurs­ver­läufe neben einer ganzen Reihe von konjunk­tu­rellen Einflüssen auch von Zinsent­wick­lungen und politi­schen Entschei­dungen geprägt werden.

Insbe­sondere die politische Abhän­gigkeit hat angesichts der Ausweitung der Staats­schul­den­krisen spürbar zugenommen und erschwert konkrete Währungs­ein­schät­zungen.

Zudem hat man es grund­sätzlich mit einer Devisen­re­lation zu tun, was eine Beurteilung von gleich zwei Währungen in Abhän­gigkeit vonein­ander erfordert und relativ komplex ist. Angesichts der anhal­tenden Turbu­lenzen im Euro-Raum und der damit einher­ge­henden Ängste vor Staats­pleiten und Inflation sind heimische Inves­toren immer noch verstärkt auf der Suche nach Anlage­al­ter­na­tiven außerhalb der Euro-Zone. Ein Grund für uns – trotz aller Marktun­wäg­bar­keiten – ausge­wählte Fremd­wäh­rungen noch einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Grund­sätzlich gilt: Direkte Wetten auf bestimmte Währungs­ent­wick­lungen mit Hilfe von Invest­ment­zer­ti­fi­katen oder Hebel­zer­ti­fi­katen sind im nur schwer kalku­lier­baren Markt­umfeld aus unserer Sicht weiterhin nicht empfeh­lenswert. Auch ETF- bzw. Fonds­in­vest­ments, die darauf abzielen, von den Schwan­kungen an den Devisen­märkten zu profi­tieren, haben in den letzten beiden Jahren vielfach enttäuscht – auch hier sehen wir aktuell keine zwingenden Invest­ment­gründe. Was es bei Aktien-, Anleihe- oder Rohstoff­in­vest­ments in fremden Währungs­räumen zu beachten gilt, möchten wir in der Folge ausführen. Bitte beachten Sie, dass wir uns bei den jewei­ligen 5-Jahres-Charts für eine Darstellung aus Sicht der jewei­ligen Fremd­währung (z. B. 1 US-Dollar entspricht 0,754 Euro) entschieden haben. So wird im Chartbild deutlicher, ob die jeweilige Fremd­währung gegenüber dem Euro gestiegen oder gefallen ist. Bei der herkömm­lichen Chart­be­trachtung aus Euro-Sicht (z. B. 1 Euro entspricht 1,32 US-Dollar) muss man als Betrachter im Prinzip umgekehrt denken (fallender Euro entspricht steigender Fremd­währung), was wir an dieser Stelle vermeiden möchten.

US-Dollar (USD): Grund­sätzlich haben wir es sowohl beim Euro als auch beim US-Dollar mit einer schul­den­kri­sen­ge­plagten Währung zu tun. Wer ist hier nun der Einäugige unter den Blinden? – Diese Frage könnte man vor diesem Hinter­grund zu Recht stellen. Die funda­men­talen Aspekte sprechen aus unserer Sicht dafür, dass die grund­sätz­liche Euroschwäche der letzten Monate vorerst noch anhalten könnte. Solange sich die europäische Politik nicht an die grund­le­genden Probleme in der Euro- Zone heranwagt (Ungleich­ge­wichte in den Handels­bi­lanzen – Export­über­schüsse versus Import­über­schüsse – erhöhte Rezes­si­ons­ge­fahren durch immer stärkere Sparzwänge) und weiter mit halbher­zigen Übergangs­lö­sungen durch die Krise laviert (was wir auch zukünftig erwarten), dürfte der Euro keinen nachhal­tigen Aufwärts­trend gegenüber dem US-Dollar ausbilden können (der Erholung seit Jahres­beginn zum Trotz). Zudem schließt sich seit einigen Monaten die Zinsschere zwischen den beiden Währungs­räumen, seitdem sich auch die EZB auf dem Zinssen­kungspfad in Richtung null befindet. Kurzfristige Anlagen im Euro-Raum werden für die inter­na­tio­nalen Finanz­markt­ak­teure somit zunehmend unattrak­tiver. Ein weiterer Aspekt pro US-Dollar: Bei der konjunk­tu­rellen Entwicklung haben die Ameri­kaner derzeit die Nase gegenüber der Euro- Zone vorn, Letztere weist bereits leicht rezessive Tendenzen auf. Bisweilen verstecken sich die Ameri­kaner gern hinter den anhal­tenden und derzeit auch in den Medien im Vorder­grund stehenden Querelen im Euro-Raum – dabei trägt der US-Staats­haushalt nicht minder große Schul­den­lasten vor sich her (z. B. in diesem Jahr schät­zungs­weise rund 10 % Haushalts­de­fizit im Gegensatz zu rund 6 % in der Euro-Zone). Im Laufe des Jahres dürfte aber auch die US-ameri­ka­nische Schul­den­si­tuation wieder stärker ins Rampen­licht rücken. Ob der Weg zum notwen­digen Schul­den­abbau eher mithilfe von Steuer­an­pas­sungen oder durch staat­liche Ausga­ben­kür­zungen beschritten wird, könnte zu einem der zentralen Streit­punkte im Vorfeld der US-Wahl im November mutieren. Dabei dürfte deutlich werden, dass auch die Ameri­kaner zu empfind­lichen Struk­tur­an­pas­sungen gezwungen sind, was zu konjunk­tu­rellen Belas­tungen führt.

An dieser Stelle könnte auch der US-Dollar wieder stärker unter Druck geraten. Ergo wird der US-Dollar aus eigener Kraft kaum substan­ziell ggü. dem Euro aufwerten können. Aus dem schwie­rigen Markt­umfeld für den Euro eine US-Dollar-Speku­lation abzuleiten, ist also alles andere als ein sicheres Geschäft. Wir gehen davon aus, dass die schwer kalku­lier­baren Schwan­kungen im Euro-US-Dollar- Verhältnis auch in den nächsten Monaten anhalten. Kurzfristig liegen die Vorteile zwar beim US-Dollar, dennoch raten wir dazu, bei Aktien­en­ga­ge­ments im US-Raum ein wachsames Auge auf die Währungs­ent­wicklung zu legen. Bei ETF- oder Fonds­an­lagen können ggf. auch währungs­ge­si­cherte Varianten in Betracht gezogen werden. Gleiches gilt für Rohstoff­an­lagen, die in aller Regel in US-Dollar notieren. Anlei­hein­vest­ments in US-Dollar halten wir im aktuellen Niedrig­zins­umfeld für unattraktiv. Rein chart­tech­nisch gesehen dürften beim US-Dollar dann Anschluss­ge­winne möglich sein, wenn die Marke von 0,80 € (entspricht einem Euro-US-Dollar-Verhältnis von 1,25 US-Dollar) nach oben durch­brochen werden kann. Fällt der US-Dollar hingegen unter die Marke von 0,72 € (entspricht einem Euro-USDollar- Verhältnis von 1,389 US-Dollar), droht der US-Währung weiteres techni­sches Abwärts­po­tenzial.

Briti­sches Pfund (GBP): Großbri­tannien zählt zwar nicht zur Euro-Zone, die Probleme der briti­schen Wirtschaft lesen sich aber ähnlich wie die der Euro-Periphe­riezone: Eine Staats­schul­den­quote von über 80 % drängt auch die Briten zu strikten Sparpro­grammen. Erschwerend kommt hinzu, dass man erheb­liche Summen zur Stützung des zum Teil maroden Banken­sektors aufbringen musste. Die Konjunktur steuert darüber hinaus derzeit auf eine Rezession zu. Trotz einer vergleichs­weise hohen Infla­ti­onsrate von rund 3,5 % hält die britische Notenbank ihre Niedrig­zins­po­litik aufrecht. Alles in allem ein Umfeld, in dem sich Pfund-Invest­ments aus unserer Sicht nicht aufdrängen, es sei denn, im Aktien­be­reich bieten sich Chancen, die es wert sind, das Währungs­risiko einzu­gehen. Auch wenn das Pfund in Zeiten stärkerer Euro-Turbu­lenzen temporär als siche­rerer Hafen angesteuert wird, dürfte ein nachhal­tiger Aufwärts­trend gegenüber dem Euro nur schwer zu etablieren sein, zumal nun mit Moody‘s die erste Rating­agentur die AAA-Bestnote Großbri­tan­niens infrage stellt.

Angesichts der engen Verflech­tungen des Landes mit der Euro-Zone über den Außen­handel und durch den Finanz­sektor kann sich das Pfund ohnehin nicht von der Entwicklung im Euro-Raum freimachen. Die Chart­technik zeigt eine relativ massive Wider­standszone im Bereich von 1,20/1,23 €, die nicht ohne Weiteres überflügelt werden dürfte. Ein Rückgang unter die Marke von 1,17 € wäre dagegen als techni­sches Verkaufs­signal zu werten.

Japani­scher Yen (JPY): Dass ein Währungsraum, der mit einem Rekord­schul­den­stand kämpft (rund 220 % in Relation zum BIP) und rezessive Tendenzen vorweist, von Inves­toren als sicherer Hafen angesehen wird, wirkt auf den ersten Blick paradox. Der Yen wurde aber in den letzten Jahren von Japans Wettbe­werbs­fä­higkeit begünstigt. Unter den sieben großen Indus­trie­staaten (G7) ist Japan neben Deutschland seit Jahren das einzige Land mit einem Leistungs­bi­lanz­über­schuss.

Zudem profi­tiert der Yen davon, dass Japan bei der Refinan­zierung seiner hohen Staats­schulden vergleichs­weise wenig von der Gunst der Auslands­in­ves­toren abhängt – Japan refinan­ziert sich sehr stark im Inland und kann auf die heimi­schen Gläubiger zählen. Der Anlei­he­markt erscheint somit deutlich weniger verletzlich als beispiels­weise der Euro-Bondmarkt. Im laufenden Jahr griffen risiko­be­reite Inves­toren zudem bei sog. Carry- Trades (Verschuldung in Ländern mit Niedrig­zinsen und Inves­tition in Hochzins­ländern, wie z. B. Australien) verstärkt auf Währungen wie den Euro oder den US-Dollar zurück – eine Entlastung für den Yen. Auch die Tatsache, dass sich sowohl in der Euro-Zone als auch in den USA die Leitzinsen der Nulllinie angenähert haben, begüns­tigte den Yen. Nationen mit hohen Devisen­re­serven landeten bei der Suche nach einer hochli­quiden Währungs­al­ter­native nicht selten beim Yen. Die japanische Wirtschaft leidet aller­dings unter dem hohen Yen (Stichwort: verteuerte Exporte), sodass sich die japanische Notenbank immer wieder genötigt sieht, zulasten des Yen an den Devisen­märkten zu inter­ve­nieren. Auch wenn dies bis dato noch keine nachhaltige Abhilfe geschaffen hat (siehe Chart ggü. Euro), so stellen derartige Inter­ven­tionen (bis hin zu einer möglichen Währungs­fi­xierung à la Schweizer Notenbank) dennoch eine latente Gefahr für die Stärke einer Währung dar. Jüngst verstärkte die Bank of Japan (BoJ) ihre Inter­ven­ti­ons­ge­bärden wieder. Dies, gepaart mit einer anhaltend expan­siven Geldpo­litik (jüngst erneut massive Anlei­he­auf­käufe der BoJ und die Betonung, die Leitzinsen auf der Nulllinie zu halten), dürfte auch die jüngsten Gewinn­mit­nahmen beim Yen ausgelöst haben. Unterm Strich erachten wir den japani­schen Währungsraum derzeit für Invest­ments als uninter­essant. Chart­tech­nisch gesehen könnte sich die Abwärts­be­wegung des Yen beschleu­nigen, wenn die Unter­stützung bei rund 0,0093 Yen (entspricht einem Euro-Yen-Verhältnis von 107,50 Yen) nicht zügig zurück­er­obert werden kann.

Schweizer Franken (CHF): Der Franken hat seinen Nimbus als klassische Flucht­währung vorerst verloren, nachdem die Schwei­ze­rische Natio­nalbank (SNB) Anfang September 2011 die Währung an den Euro-Kurs gebunden hat. Die Notenbank will den Mindestkurs von 0,83 € (bzw. 1,20 CHF) mit aller Konse­quenz durch­setzen und ist notfalls bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen (und dafür ggf. Schulauch Schweizer Franken zu drucken).

Die massive Aufwertung des Frankens hat für die Schweizer Wirtschaft einschnei­dende Negativ­folgen, weil viele eidge­nös­sische Unter­nehmen auf dem Weltmarkt nicht mehr konkur­renz­fähig sind (verteuerte Exporte) und der für das Land wichtige Tourismus erheblich leidet. Zudem schlichen sich zuletzt vor dem Hinter­grund der stark fallenden Import­preise immer stärker defla­tionäre Tendenzen in die Alpen­re­publik ein, was den rezes­siven Druck in der Schweiz verstärkt. Im Januar sind die Verbrau­cher­preise um 0,8 % ggü. dem Vorjahr gefallen. Wir gehen davon aus, dass sich die SNB weiter mit aller Macht gegen eine erneute Franken­auf­wertung stemmen wird. Infla­tionäre Tendenzen hat sie akut nicht zu befürchten (eher das Gegenteil). Vor diesem Hinter­grund zählen Schweizer- Franken-Anleihen aktuell nicht zu unseren Favoriten, zumal die Renditen bonitäts­starker Schuld­ner­adressen um die Nulllinie oszil­lieren und die Aufwer­tungs­fan­tasie des Frankens (vorerst) dahin ist. Bei inter­es­santen Schweizer Aktien ist der Währungs­aspekt derzeit zweit­rangig, sofern die Invest­ment­story ausrei­chend Aufwärts­po­tenzial birgt. Das Chartbild besitzt angesichts der aktuellen Kursfi­xierung nur eine bedingte Aussa­ge­kraft. Dennoch der Hinweis: Fällt der Schweizer Franken unter die Inter­ven­ti­ons­marke von 0,83 €, käme dies einem techni­schen Verkaufs­signal gleich. Ggf. würden sich in diesem Fall ein paar zittrige Hände (die darauf gesetzt haben, dass die SNB nicht standhaft bleibt) aus dem Franken­markt verab­schieden, um Verluste zu begrenzen, was wiederum die Abwärts­be­wegung des Frankens verstärken würde.

Nordische Währungen: Norweger-Krone (NOK)/Schweden-Krone (SEK): Wenn es darum geht, einem Portfolio eine aussichts­reiche Währungs­kom­po­nente beizu­mi­schen, favori­sieren wir bekann­ter­maßen seit einigen Monaten die nordi­schen Währungen. Auf der Anlei­he­seite haben wir dabei Unter­neh­mens­an­leihen solider Schuld­ner­adressen im Fokus und auf der Aktien­seite sollten breit gestreute Skandi­navien-ETFs bzw. -Fonds bevorzugt werden. Die Versi­che­rungs­prämien gegen einen Kredit­ausfall (sog. CDS-Prämien) signa­li­sieren, dass die Anleger die Wahrschein­lichkeit der Zahlungs­aus­fälle Norwegens und Schwedens derzeit geringer einschätzen als die von Deutschland oder Frank­reich. An den beiden Schwer­ge­wichten Eurolands haften hierbei offen­sichtlich die Eventu­al­ver­bind­lich­keiten aus den Euro-Rettungs­schirmen. Dagegen platziert sich Norwegen als Nicht-EU-Land mit einer CDS- Prämie von 34 Basis­punkten (0,34 %) als sicherster Emittent der Welt (0,86 % für Deutschland-CDS). Der aus Ölexporten gespeiste Reichtum Norwegens schottet das Land relativ gut gegen die Folgen der Euro-Staats­schul­den­krise ab.

So summiert sich der Haushalts­über­schuss (wohlge­merkt Überschuss) in 2011 auf statt­liche 9,3 %. Dazu kommt der relativ überschaubare Schul­den­stand von rund 41 % im Verhältnis zum BIP. Die Arbeits­lo­sen­quote bewegt sich lediglich bei rund 3,5 %. Die sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft (Norwegen ist die siebt­größte Ölexporteur der Welt) helfen nicht nur beim Schulauch denabbau, sondern speisen auch den seit 1990 bestehenden norwe­gi­schen Staats­fonds. Dieser zählt mit rund 570 Mrd. US-Dollar (Ende 2011) zu den größten der Welt. Damit besitzt die norwe­gische Regierung einen enormen fiskal­po­li­ti­schen Spielraum, um z. B. bei sinkenden Ölpreisen rückläufige Erträge aus dem Ölgeschäft zu kompen­sieren oder die heimische Wirtschaft in konjunk­tu­rellen Abschwung­phasen zu stützen. Im laufenden Jahr sollte die norwe­gische Wirtschaft weiter wachsen (nach 1,6 % in 2011). Die Exper­ten­schät­zungen sind hier aller­dings recht breit gefächert und bewegen sich zwischen 1 und 3 %. In Anbetracht der anhal­tenden Euro-Krise (Stichwort: norwe­gi­scher Export in die Euro-Zone) und um die politisch nicht gerade erwünschte Aufwertung der Norweger-Krone zu bremsen, entschied sich die Notenbank Ende letzten Jahres für eine recht üppige Leitzins­senkung um 0,5 auf 1,75 %. Dennoch behält die Krone gegenüber dem Euro einen Zinsvorteil. Ein gewisses Risiko­po­tenzial birgt die Entwicklung des norwe­gi­schen Immobi­li­en­marktes. Der IWF machte hier zuletzt Überhit­zungs­ge­fahren aus. Dazu kommt eine vergleichs­weise hohe Privat­ver­schuldung (die in diesem Jahr auf das Doppelte der verfüg­baren Einkommen klettern könnte). Unterm Strich zählen wir die Norweger- Krone aber länger­fristig weiterhin zu den wenigen inter­es­santen Währungen. Nach der zuletzt recht zügigen Aufwärts­be­wegung, in deren Folge die Krone gegen den Euro ein Neunjah­reshoch erreichte, hat sich aber die Wahrschein­lichkeit von kurzfris­tigen Gewinn­mit­nahmen erhöht. Wer bereits zeitig zu günstigen Kursen einge­stiegen ist, sollte abwägen, ob er nicht zwischen­zeitlich einmal Kasse machen möchte. Unter chart­tech­ni­schen Aspekten hat die Norweger-Krone zwar mit der Überwindung des einge­zeich­neten horizon­talen Wider­standes ein neues Kaufsignal generiert, ist aber anderer­seits relativ stark überkauft. Von dieser Warte aus wäre ein Rücksetzer sogar gesund. Die schwe­di­schen Nachbarn haben zwar kein Öl, aber eine ebenso leistungs­fähige Wirtschaft. Auch die Schweden locken mit einem soliden Staats­haushalt, in dem es (leichte) Überschüsse gibt. Der Schul­den­stand beträgt weniger als 40 % des BIPs. Am Anlei­he­markt werden die gesunden Finanzen belohnt, das Dreifach-A-Rating des schwe­di­schen Staates ist nicht in Gefahr. Struk­tu­relle Stärken der schwe­di­schen Volks­wirt­schaft sind zudem eine gute Ausbildung der leistungs­be­reiten Bevöl­kerung und eine hohe Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft in Human­ka­pital, Forschung und Entwicklung sowie die moderate Besteuerung von Unter­nehmen.

Wirtschaftlich müssen die Schweden aller­dings mit einer stärkeren Abkühlung als die Norweger kämpfen (wobei sie aller­dings auch von einem deutlich höheren Wachs­tums­niveau kommen). Denn: Schweden kann sich trotz aller Stärken der Euro-Krise nicht gänzlich entziehen. Der Abschwung der Weltkon­junktur trifft die in den letzten Jahren erfolgs­ver­wöhnte Wirtschaft hart, zumal die Exporte etwa 45 % des BIPs ausmachen. Glaubt man den Prognosen, dann wird sich das BIP-Wachstum 2012 von 4,1 % auf unter 1 % abschwächen – bleibt eine Eskalation der Euro-Krise aus, sind hier aber durchaus positive Überra­schungen denkbar. Die schwe­dische Notenbank hat seit letzten Dezember den Leitzins in zwei Trippel­schritten um jeweils 0,25 % auf 1,50 % gesenkt, auch weil ein zu großes Zinsge­fälle und damit zu starker Aufwer­tungs­druck auf die Krone auf jeden Fall vermieden werden soll und weil man die Wirtschaft stimu­lieren möchte. Auch wenn die Rendi­te­dif­ferenz zur Euro-Zone geschrumpft ist, halten wir Schweden-Kronen-Anleihen weiterhin für inter­essant. Solange die Euro-Politiker in der Staats­schul­den­krise nur Übergangs­lö­sungen schaffen, sollten Flucht­wäh­rungen wie die Schweden-Krone weiter gesucht sein. Der Chart zeigt, dass auch die Schweden-Krone seit Ende letzten Jahres einen vergleichs­weise zügigen Anstieg hinter sich hat und eine Konso­li­die­rungs­be­wegung bevor­stehen dürfte. Die Aussagen zur Norweger-Krone gelten hier analog.

Austral-Dollar (AUD): Der austra­lische Dollar ist die weltweit am fünft­meisten gehan­delte Währung und dient vielen Inves­toren als Anlage­ve­hikel, um auf die Wirtschafts­ent­wicklung Chinas zu wetten. Der Grund dafür ist die große Bedeutung des Rohstoff­sektors für die Volks­wirt­schaft des fünften Konti­nents und die räumliche Nähe zur prospe­rie­renden Region Südost­asien. Das Kalkül ist, dass Australien umso mehr Kupfer, Kohle oder Eisenerz expor­tiert, je stärker China wächst. Der Rohstoffboom des vergan­genen Jahrzehnts hat den austra­li­schen Dollar zu einer begehrten Währung gemacht.

Er gilt daher neben dem kanadi­schen Dollar als die Rohstoff­währung. Schwä­chelt jedoch die globale (bzw. insbe­sondere die chine­sische) Konjunktur (wovon wir nach wie vor ausgehen), bremst das automa­tisch das Wachstum in dem rohstoff­reichen Land. Daher war von vielen Markt­be­ob­achtern erwartet worden, dass die austra­lische Notenbank angesichts der Risiken für das weltweite Wirtschafts­wachstum und eines moderaten Infla­ti­ons­aus­blicks ihren Leitzins erneut senken wird. Sie beließ ihn aller­dings überra­schend bei 4,25 %, was der Währung jüngst nochmals spürbaren Auftrieb verlieh. Der Austral-Dollar steht schließlich im Mittel­punkt der bereits in der Yen-Bespre­chung erwähnten Carry-Trades. Diese hochris­kanten Geschäfte werden jedoch wieder aufgelöst, sobald die Risiko­be­reit­schaft an den Finanz­märkten sinkt. In Australien selbst wird die Stärke der einhei­mi­schen Währung durchaus kritisch gesehen. Denn je stärker die Landes­währung wird, desto mehr verliert die Wirtschaft an Konkur­renz­fä­higkeit, weil Exporte teurer werden. Wer Austral-Dollar-Anleihen hält, sollte aus unserer Sicht an (währungs­seitige) Gewinn­mit­nahmen denken (vor allem bei höheren Depot­ge­wich­tungen), zumal wir die globale Konjunk­tur­ent­wicklung weiterhin skeptisch sehen. Die Leitzins­senkung dürfte zudem nicht aufge­hoben, sondern nur aufge­schoben sein. Auch die höheren Rohstoff­preise recht­fer­tigen unseres Erachtens die steile Aufwertung nicht. Selbst wenn sich das globale Konjunk­tur­umfeld in 2012 weiter aufhellen sollte, sollten dem Austral-Dollar-Höhenflug Grenzen gesetzt sein – der Aussie dürfte einen günsti­geren Konjunk­tur­verlauf zu einem guten Teil bereits einge­preist haben. Der Ausbruch über den Wider­stand bei rund 0,77 € hat dem Austral-Dollar noch einmal Rückenwind verliehen und auf ein Allzeithoch ggü. dem Euro befördert. Nach der seit Ende 2008 (mit kurzen Unter­bre­chungen) anhal­tenden inten­siven Rallye (Kursplus seitdem knapp 70 %) ist auch unter techni­schen Gesichts­punkten eine Korrek­tur­be­wegung wahrschein­licher geworden (und auch notwendig, um eine Überhitzung zu vermeiden).

Kanada-Dollar (CAD): Die zweite große Rohstoff­währung sieht sich ähnlichen Risiken wie der Austral-Dollar ausge­setzt. Dass Kanada nach Saudi-Arabien die weltweit größten Erdöl­re­serven besitzt, könnte ein Vorteil sein, sofern die geopo­li­ti­schen Spannungen (Stichwort Iran) anhalten und die Ölnotie­rungen dadurch weiterhin gestützt werden. Kritisch sehen wir aller­dings die sehr enge Verknüpfung Kanadas mit der US-Wirtschaft, die auf absehbare Zeit kaum auf einen nachhal­tigen Wachs­tumspfad zurück­kehren dürfte.

Nachfra­ge­rück­gänge der US-Verbraucher nach Import­gütern treffen also Nationen wie Kanada überpro­por­tional. Invest­ments im Kanada-Dollar zählen – analog zum Austral-Dollar – nach wie vor nicht zu unseren favori­sierten Währungs­bei­mi­schungen. Der technische Ausbruch aus der im Chart einge­zeich­neten Dreiecks­for­mation ist grund­sätzlich positiv für den Kanada-Dollar zu werten. Wir gehen aller­dings davon aus, dass die Spitzen der letzten Monate (Mitte 2010 und Anfang 2011) im Bereich von 0,78/0,80 € kurzfristig nur überwunden werden können, wenn sich die Euro-Krise wieder spürbar verschlimmert. Stärkere Verluste drohen dann, wenn der Kanada- Dollar unter seinen kurzfris­tigen Aufwärts­trend rutscht, der im Bereich von 0,72 € verläuft.

Schwel­len­län­der­wäh­rungen: Schwel­len­län­der­in­vest­ments in den betref­fenden Lokal­wäh­rungen sind für den risiko­be­reiten Anleger durchaus als Beimi­schung geeignet (sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anlei­he­seite), wobei hier grund­sätzlich breit gestreute Anlage­ve­hikel (ETFs/Fonds) bevorzugt werden sollten.

Die Infor­ma­tionen des Markt­kom­mentars stammen aus öffentlich zugäng­lichen Quellen, die wir für zuver­lässig halten. Für die Richtigkeit und Vollstän­digkeit der Angaben wird keine Gewähr übernommen. Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen beruhen auf der aktuellen Einschätzung des Verfassers und stellen nicht notwen­di­ger­weise die Meinung der quirin bank dar. Sie können sich ohne vorher­ge­hende Ankün­digung ändern. Der ausge­ar­beitete Markt­kom­mentar dient nur zu Infor­ma­ti­ons­zwecken und gilt nicht als Angebot oder Auffor­derung zum Kauf oder Verkauf von Wertpa­pieren.

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