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Können aus der Veräu­ßerung von Aktien Einkünfte aus Gewer­be­be­trieb entstehen?

Eine alte Regel zur Vermö­gens­anlage lautet: “Ein Drittel in Immobilien und Gold, ein Drittel in Anleihen und ein Drittel in Aktien inves­tieren”. Wie erfolg­reich die Anwendung dieser Regel letzt­endlich ist, darüber streiten sich die Vermö­gens­be­rater seit Jahrzehnten. Eines ist jedoch sicher, die private Inves­tition in Aktien spielt bei der Geldanlage eine große Rolle und bietet auch nach dem Platzen der New-Economy-Blase und der Finanz­markt­krise sowohl die Möglichkeit des schnellen Profits als auch der langfris­tigen konser­va­tiven Inves­tition. Wichtig ist jedoch auch wie etwaige Gewinne besteuert werden. Kann ab einer bestimmten Betei­li­gungshöhe gar die steuer­recht­liche Gewerb­lichkeit entstehen?


Die Besteuerung von Gewinnen aus der Veräu­ßerung von Aktien ist ein sehr weitrei­chendes und ein sich immer wieder verän­derndes Feld des Steuer­rechts. So versprach der Gesetz­geber mit der Abgel­tungs­steuer Verein­fa­chung, auf die viele aller­dings noch immer warten. Dieser Artikel soll sich aller­dings nicht mit der Abgel­tungs­steuer, sondern vielmehr mit der Frage beschäf­tigen, ab welcher Betei­li­gungshöhe die Schwelle zur steuer­lichen Gewerb­lichkeit überschritten wird; unabhängig von der Anzahl der Veräu­ße­rungs­ge­schäfte.

Betei­li­gungs­grenze zur Gewerb­lichkeit. Entsteht aus der Veräu­ßerung von Anteilen an Kapital­ge­sell­schaften ein Gewinn, so kann dieser zu Einkünften aus Gewer­be­be­trieb führen; trotz der Zugehö­rigkeit zum Privat­ver­mögen. Voraus­setzung hierfür ist, dass der Steuer­pflichtige bzw. der Veräu­ßerer irgendwann innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesell­schaft zu mindestens einem Prozent beteiligt war. Die einpro­zentige Betei­ligung muss hierbei nicht über die gesamte Dauer von fünf Jahren vorge­legen haben, sondern es reicht aus, wenn sie zu irgend­einem Zeitpunkt, egal wie lange, vorlag. Unter den Begriff der Betei­ligung an einer Kapital­ge­sell­schaft fallen aber nicht nur Aktien; Anteile an einer GmbH, Genuss­scheine oder auch Anwart­schaften auf Betei­li­gungen an Kapital­ge­sell­schaften sind ebenfalls betroffen.

Berechnung des Veräu­ße­rungs­ge­winns. Der Veräu­ße­rungs­gewinn berechnet sich grund­sätzlich als Differenz zwischen dem Veräu­ße­rungs­preis und den Veräu­ße­rungs- und Anschaf­fungs­kosten der Anteile. Hiervon abzuziehen ist noch ein antei­liger Freibetrag bis zu 9.060 Euro. Anteilig bedeutet hierbei, dass sich die Höhe des Freibe­trags nach der Betei­li­gungshöhe richtet. Ist man also zu 50 Prozent an einer Kapital­ge­sell­schaft beteiligt, so steht einem auch nur der hälftige Freibetrag zu, während bei 100-prozen­tiger Betei­ligung der volle Betrag zu gewähren ist. Der Freibetrag reduziert sich jedoch noch zusätzlich soweit der Veräu­ße­rungs­gewinn anteilig 36.100 Euro überschreitet. Anteilig ist auch hierbei entspre­chend der Betei­li­gungs­quote zu verstehen. Ein Beispiel: Verkauft A an der B-GmbH seine 25-prozentige Betei­ligung und beträgt der Veräu­ße­rungs­gewinn 10.000 Euro, so beträgt die Grenze 0,25*36.100 Euro = 9.025 Euro. Der Gewinn überschreitet diesen Betrag um: 10.000 Euro – 9.025 Euro = 975 Euro. Um diese Summe wird nun der Freibetrag in Höhe von 0,25*9.060 Euro = 2.265 Euro reduziert: 2.265 Euro – 975 Euro = 1.290 Euro. Es verbleibt ein Freibetrag in Höhe von 1.290 Euro. Bei niedrigen Betei­li­gungs­quoten bleibt folglich von dem ohnehin nicht sehr hohen Freibetrag relativ wenig übrig.

Besteuerung des Veräu­ße­rungs­ge­winns. Zu beachten ist, dass grund­sätzlich die o.g. Veräu­ße­rungs­ge­winne aus dem Verkauf von Anteilen an Kapital­ge­sell­schaften mit einpro­zen­tiger Betei­ligung unter das sogenannte Teilein­künf­te­ver­fahren fallen. Dies hat zur Folge, dass 40 Prozent des Veräu­ße­rungs­preises steuerfrei sind, während im Gegenzug die Veräu­ße­rungs- und Anschaf­fungs­kosten aber auch nur zu 60 Prozent abzugs­fähig sind. Der Freibetrag wird zunächst ohne Berück­sich­tigung des Teilein­künf­te­ver­fahrens berechnet. Abgezogen wird er dann jedoch erst nach Anwendung des Teilein­künf­te­ver­fahrens.

 

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