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Steuer­liche Berück­sich­tigung von Umzugs­kosten

Obwohl dieser Bereich der möglichen Steuer­erspar­nisse in der Praxis relativ leicht umsetzbar ist, ist vielen Steuer­pflich­tigen nicht klar, dass Sie verschiedene Möglich­keiten haben, Ihre Umzugs­kosten – sei der Umzug beruflich oder auch privat veran­lasst – in ihrer Steuer­erklärung zumindest zum Teil steuerlich geltend zu machen.


Je nach Grund und Umstand des Umzugs können viele der sich ergebenden Aufwen­dungen bei der Steuer­erklärung als Werbungs­kosten, haushaltsnahe Dienst­leis­tungen oder unter bestimmten Voraus­set­zungen auch als außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen anerkannt werden.

Des Weiteren ist in den meisten Fällen sowohl eine Berück­sich­tigung von festge­legten Pauschalen als auch von tatsächlich angefal­lenen Kosten, welche durch entspre­chende Einzel­nach­weise belegt werden müssen, möglich. Um festzu­stellen, welche Abzugs­mög­lichkeit in der jewei­ligen Situation des Steuer­pflich­tigen besteht, muss zunächst bestimmt werden, welche Veran­lassung es für den Umzug gegeben hat. So können sowohl beruf­liche als auch private Gründe ausschlag­gebend für einen Umzug sein. In weniger häufigen Fällen muss ein Umzug auch aus gesund­heit­lichen Gründen erfolgen, was hier die dritte Abzugs­mög­lichkeit beschreibt.

Beruf­liche Veran­lassung des Umzugs. Liegen für die Entscheidung zum Umzug ausschließlich beruf­liche Gründe vor, so können die Kosten, die im Rahmen des Umzugs entstanden sind, als Werbungs­kosten in der Steuer­erklärung abgesetzt werden. Zu den wichtigsten beruflich veran­lassten Umzugs­gründen gehören u. a. die Fälle, wenn der Arbeit­geber den Umzug strikt fordert, wenn eine Werks- oder Dienst­wohnung bezogen oder geräumt werden muss, wenn nach längerer Arbeits­lo­sigkeit wieder eine Stelle angetreten wird oder auch bei dem Beziehen oder Aufgeben einer Zweit­wohnung im Rahmen einer beruflich begrün­deten doppelten Haushalts­führung.

Fahrzeit­ver­kürzung. Aber auch innerhalb desselben Ortes kann ein beruflich bedingter Umzug anerkannt werden. Und zwar dann, wenn sich dadurch die Fahrzeit des täglichen Arbeits­weges zwischen der Wohnung und der Arbeits­stätte erheblich verkürzt. Von so einer erheb­lichen Kürzung kann laut Bundes­fi­nanzhof dann gesprochen werden, wenn die einge­sparte Zeit mindestens 60 Minuten am Tag beträgt, also müsste sich je Hin- und Rückfahrt eine Zeiter­sparnis von mindestens 30 Minuten ergeben.

Pausch­be­träge und tatsäch­liche Kosten. Inter­essant ist, dass die anzuset­zenden Pauschalen im Laufe dieses Jahres leicht angehoben wurden. So beträgt die Pauschale für sonstige Umzugs­aus­lagen bspw. für Verhei­ratete bei Umzügen, die ab dem 01.01.2010 statt­ge­funden haben 1.271 €, bei Umzügen ab dem 01.01.2011 sind es 1.279 € und bei Umzügen ab dem 01.08.2011 schon 1.283 €. Ein ähnlicher Anstieg ist bei den Umzugs­aus­lagen für Ledige, bei dem Zuschlag für weitere Personen wie bspw. Kinder sowie bei dem Pausch­betrag für umzugs­be­dingten zusätz­lichen Unter­richt festzu­stellen. Sind die tatsächlich angefal­lenen Kosten höher als die festge­legten Pausch­be­träge, so können in der Steuer­erklärung auch diese tatsächlich angefal­lenen Aufwen­dungen angegeben werden, sie müssen jedoch sowohl der Höhe als auch der beruf­lichen Veran­lassung nach nachge­wiesen werden können. Hier ist außerdem anzumerken, dass bei Angabe der tatsäch­lichen Kosten die Erbringung des erfor­der­lichen Nachweises, ob eine Anschaffung im Rahmen des Umzugs tatsächlich beruflich oder doch eher privat veran­lasst ist, in der Praxis häufig proble­ma­tisch ist. Ist der Steuer­pflichtige in den letzten 5 Jahren schon mal aus beruf­lichen Gründen umgezogen, ist des Weiteren zu beachten, dass bei dem jetzigen Umzug dann der sogenannte Häufig­keits­zu­schlag Anwendung findet, wodurch sich die abzugs­fähige Umzugs­pau­schale um 50 % erhöht.

Absetzbare Aufwen­dungen. Zu den abzugs­fä­higen Umzugs­kosten zählen unter anderem die oben genannten Pausch­be­träge für Umzugs­aus­lagen, Trans­port­kosten für die Möbel, Mietkosten für die alte Wohnung während der Kündi­gungs­frist, Kosten für die Suche und Besich­tigung einer neuen Wohnung, Wohnungs­ver­mitt­lungs­ge­bühren sowie umzugs­be­dingte Unter­richts­kosten, wenn Kinder aufgrund des Umzugs Nachhil­fe­un­ter­richt in Anspruch nehmen müssen.

Private Veran­lassung des Umzugs. Die Aufwen­dungen, die im Rahmen eines privaten Umzugs entstehen, gehören grund­sätzlich zu den typisch privaten Lebens­hal­tungs­kosten. Dementspre­chend stellen sie in der Regel keine außer­ge­wöhn­lichen Belas­tungen dar und sind grund­sätzlich nicht als Werbungs­kosten abziehbar. Dennoch kommen aber auch bei Umzügen aus privaten Gründen Steuer­ermä­ßi­gungen in Betracht: Gemäß § 35a EStG können die angefal­lenen Kosten als haushaltsnahe Dienst­leis­tungen bis zu einer bestimmten Höhe direkt von der sich ergebenden Steuer­schuld abgezogen werden und begründen somit eine sich lohnende Ermäßigung der tatsächlich zu zahlenden Steuer.

Haushaltsnahe Dienst­leis­tungen. In das Spektrum der haushalts­nahen Dienst­leis­tungen fallen unter anderem Renovie­rungs­ar­beiten des auszie­henden Mieters, Trans­port­kosten der Möbel, Kosten der notwen­digen Hausrei­nigung, Moder­ni­sie­rungs­maß­nahmen sowie Pflege­ar­beiten im Garten. In seinem Anwen­dungs­schreiben zu § 35a EStG vom 15.02.2010 nennt das Bundes­mi­nis­terium für Finanzen als Voraus­setzung für die Anerkennung von Umzugs­kosten als haushaltsnahe Dienst­leis­tungen, dass die Maßnahmen in einem engen zeitlichen Zusam­menhang zu dem Umzug stehen müssen. Für eine solche Feststellung wird bei Mietver­hält­nissen regel­mäßig das im Mietvertrag festge­legte Datum heran­ge­zogen.

Umzug aus gesund­heit­lichen Gründen. Weniger häufig, aber deswegen nicht weniger wichtig sind die Fälle, in denen der Umzug durch rein gesund­heit­liche Gründe veran­lasst ist. Bei einem Umzug aufgrund von Krankheit oder Behin­derung besteht nämlich die Möglichkeit, dass es zu einem Abzug der angefal­lenen Aufwen­dungen als außer­ge­wöhn­liche Belastung kommt, sofern die Kosten die zumutbare Eigen­be­lastung übersteigen. Der Bundes­fi­nanzhof fordert hierfür aber explizit, dass der Wohnungs­wechsel nicht nur eine allgemein gesund­heitlich vorbeu­gende Maßnahme darstellt, sondern dass er dazu dient, den Zweck der Heilung oder den der Verbes­serung der Erträg­lichkeit der Krankheit zu fördern und zu erhöhen (BFH, 08.10.2008, VI B 66/08).

Fazit. Abschließend kann also festge­halten werden, dass es sich infolge eines Umzugs in der Regel immer zu prüfen lohnt, ob die sich ergebenen Umzugs­kosten nicht in einen steuer­lichen Vorteil gewandelt werden können.

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