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Korrup­ti­ons­prä­vention

„Das gibt es bei uns nicht! – Wir sind doch nur ein kleines Unter­nehmen.“ Im allge­meinen Bewusstsein wird Wirtschaftskrimina­lität spontan immer noch Großkon­zernen zugeschrieben und Korruption als ein Problem von Bananen­re­pu­bliken bewertet. Die Statis­tiken in Deutschland sind jedoch erschre­ckend und zeigen, dass unabhängig von ihrer Größe knapp die Hälfte aller deut­schen Unter­nehmen Opfer von Wirtschafts­kri­mi­na­lität sind. In unserem Themen­schwer­punkt geben wir einen Überblick über die Korrup­ti­ons­si­tuation in Deutschland und zeigen Wege zur Bekämpfung von Betrug, Bestech­lichkeit, Untreue und Vorteils­nahme in der täglichen Praxis.


Als Trans­pa­rency International1993 gegründet wurde, galt die öffent­liche Behauptung, in Deutschland sei Kor­ruption (dolose Handlungen) an der Tages­ordnung, als Nestbe­schmut­zerei. Deutsch­land schien ein sauberes Land zu sein und sollte es auch bleiben. Seitdem hat sich vieles geändert: Fast täglich können wir neue und spekta­kuläre Korrup­ti­ons­skandale in den Medien verfolgen und es entsteht der Eindruck, Deutschland sei auf das Niveau von Ländern herab­ge­sunken, auf die wir frü­her gerne herab­ge­sehen haben.

Bedeutet dies, dass in den letzten Jahren die Korruption in Deutschland in einem sol­chen Maße zugenommen hat? Zunächst ein­mal bedeutet es, dass heute mehr darüber gesprochen wird. Es ist in das allge­meine Bewusstsein einge­drungen, dass Deutsch­land nicht so unschuldig ist wie vermutet, dass Korruption ein zu bekämp­fendes volks­wirtschaftliches Geschwür ist und dass erst die öffent­liche Diskussion den Schaden er­kennbar macht. Wir erfahren heute aus den verschie­denen Medien und Quellen von Vor­gängen, die früher verschwiegen und ver­tuscht wurden. Daher erfahren und verzeich­nen wir über dieses Thema mehr als früher. Aber gibt es auch mehr? Der Verdacht ist ein anderer und er ist schlimmer: Korrup­tion hat es auch hierzu­lande schon immer gegeben und Deutschland war nie das sau­bere Land, als das wir es gerne wahrhaben wollten.

Was ist Korruption? Die Flick-Affäre, der Skandal um die schwarzen Kassen der CDU-Partei­spen­den­affäre, der Starfighter-Skandal, die Siemens Schmiergeld-Affäre oder der FlowTex-Betrug, der nachhaltig alle Kredit­su­chenden beein­trächtigt und heute noch an den Pranger stellt: Diese Skanda­le sind Stich­wörter aus der frühen Vergan­genheit und Gegenwart der Bundes­re­publik Deutschland und sollten niemals vergessen werden. Sie führen aber ein wenig in die Irre, da sie das Gefühl vermitteln, Korruption sei ein Problem großer Organi­sa­tionen, multi­nationaler Konzerne oder das Ergebnis be­sonders krimi­neller Energie.

Korruption findet jedoch genauso im Klei­nen statt: Statis­tisch gesehen sind 49 % der deutschen Unter­nehmen Opfer von Wirt­schaftskriminalität. Die offen­kundige Alltäg­lichkeit doloser Handlungen in Deutschland ist somit nicht nur ein Schaden für die je­weiligen Unter­nehmen, sondern ebenso für die gesamte Volks­wirt­schaft und dieje­nigen Kaufleute, die ihre Geschäfte ehrlich und redlich betreiben.

Was aber ist die Korruption „im Kleinen“? Ganz einfach: Unter­nehmen A will an Unter­nehmen B etwas verkaufen, z. B. eine Te­lefonanlage, einen Mobil­funk­tarif oder eine Bauleistung. Dabei versi­chert sich Unter­nehmen A der beson­deren Aufmerk­samkeit eines entschei­dungs­be­fugten Mitar­beiters in Unter­nehmen B durch mehr oder weniger große Zuwen­dungen. Dies kann schlicht die Zuschiebung eines Umschlags mit Geld sein, oftmals sind es aber auch sachbe­zogene Zuwen­dungen wie der profane Kauf einer Wasch­ma­schine, die Finan­zierung eines Ur­laubs oder ohne Rechnung gelie­ferte Steine für die heimische Garten­ter­rasse. Dadurch befür­wortet der Mitar­beiter des Unterneh­mens B das Angebot des Unter­nehmens A und drückt womöglich noch ein Auge bei den Kondi­tionen des Angebots zu.

Das geschil­derte Szenario ist nahezu all­täglich und wird von den Tätern nicht mal mit einem Unrechts­be­wusstsein verknüpft, son­dern gilt als ein unver­zicht­bares Instrument im wirtschaft­lichen Konkur­renz­kampf.

Höchst inter­essant ist dabei das statis­tisch am weitesten verbreitete Täter­profil: Der „typische“ Täter ist relativ angepasst, verfügt über grund­sätzlich legale Wertvor­stel­lungen, lebt in legalen und unauf­fäl­ligen Sozial­struk­turen und engagiert sich beruflich über das Normale hinaus. Stich­punkt­artig zusam­men­ge­fasst, kennzeichnen den typische Täter in Deutschland folgende Eigen­schaften:

  • männlich
  • deutsch
  • nicht vorbe­straft
  • keine Schulden (zumindest keine, die bekannt sind)
  • verfügt über gewisse Macht- und Entschei­dungs­be­fug­nisse in der Organi­sation
  • ist ehrgeizig, inves­tiert viel Zeit in den Beruf
  • verfügt häufig über hohe Fachkom­petenz, ist ein Aufstei­gertyp, häufig über den zweiten Bildungsweg, absol­viert viele Aus- u. Fortbil­dungen
  • Vorstands­mit­glieder
  • ist mit den Struk­turen der Organi­sation über viele Jahre vertraut
  • legt Wert auf gesell­schaft­lichen Status und hohen Lebens­standard
  • hat keine illegalen Wertvor­stel­lungen
  • versteht sich nicht als kriminell handelnd
  • verfügt über ausge­prägte Recht­fer­ti­gungs- und Neutra­li­sie­rungs­tech­niken

Der typische Täter ist also in keinster Weise durch unsere Vorur­teile als klassische „Betrü­ger­per­sön­lichkeit“ zu identi­fi­zieren, sondern entspricht tenden­ziell eher unserem Bild des vorbild­lichen Mitar­beiters.

Korruption ist nicht neu, sie war immer schon da Die Korruption, die heute ans Licht kommt, ist die, die sich gestern und vorgestern ereignet hat. Korruption ist zu einem Bestandteil unseres Wirtschafts­systems geworden, dessen erstes und oberstes Ziel Profit­ma­xi­mierung ist. Wer um jeden Preis einen möglichst hohen Gewinn erzielen muss, kann mitunter der Versu­chung der Korruption erliegen. Jeder Manager, Leiter, Einkäufer, Verkäufer etc., der seine Handlungen damit recht­fertigt, dass seine Konkur­renten ebenso vorgehen, dass er anders im Wettbewerb nicht bestehen kann, bestätigt diese Erkenntnis. Zahlreiche Experten und Studien machen deutlich, dass Schmier­geld­zah­lungen zur aggres­siven Durch­setzung von Unter­neh­mens­in­ter­essen ein fester Bestandteil der Geschäfts­po­litik sind und im Lagebild Korruption des Bundes­kri­mi­nal­amtes (BKA) (Ausgabe 2003, S. 49) wird festge­stellt, dass Bestechung ein „mehr oder weniger profes­sionell genutztes Mittel“ des normalen Geschäfts­ge­barens sei.

Problemfeld Gesetz­gebung: Was legal ist, kann nicht korrupt sein Die Korrup­ti­ons­wahr­nehmung in Deutschland ist auch dadurch getrübt, dass es hierzu­lande kaum Antikor­rup­ti­ons­ge­setze gibt, denn was nicht illegal ist, kann logischer­weise nicht als korrupt bezeichnet werden. Tragbar ist sogar die Behauptung, dass Teile der Geset­zeslage selbst korrup­ti­ons­för­dernd waren und zum Teil noch sind. So war es früher der Fall, dass bestimmte Bestechungs­gelder sogar als Kosten steuerlich abzugs­fähig waren. Dieses freund­liche Klima war der perfekte Dünger für die Überzeugung, Korruption sei ein probates und angemes­senes Mittel im wirtschaft­lichen Wettbewerb.

Durch die öffent­liche Sensi­bi­li­sierung sind politisch in den letzten Jahren viele Schritte zur Korrup­ti­ons­prä­vention und -bekämpfung vollzogen worden, z. B. durch die Verbes­serung der Geset­zeslage. So sind Bestechungs­gelder nicht mehr nur nicht steuerlich abzugs­fähig, sondern mittler­weile völlig illegal. Die Bestechung auslän­di­scher Staats­be­diens­teter ist heute ebenso strafbar wie die inlän­di­scher, was dem Grunde nach auch vorher schon identisch war, nur vom Gesetz­geber zugunsten der Auftragslage inlän­di­scher Unter­nehmen eine lange Zeit nicht straf­be­wehrt war. Nicht nur gegenüber staat­lichen Stellen, sondern auch im Verhältnis zu anderen Unter­nehmen gibt es heute den Straf­tat­be­stand der Bestechung als Offizi­al­delikt. Schon allein die Gewährung und Annahme von Vorteilen ist strafbar, auch wenn die Verein­barung einer Gegen­leistung nicht nachweisbar ist. Seit dem 01.01.2006 gibt es das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­gesetz (IFG), das den Bürgern und den Medien neue Möglich­keiten zur Aufde­ckung von Korruption an die Hand gibt.

Der Bewusst­seins­wandel des Gesetz­gebers ist aber leider noch längst nicht zu allen in der Wirtschaft Tätigen durch­ge­drungen. Was ebenfalls nicht verwundert, weil noch viele Maßnahmen auf sich warten lassen. So ist die Bestechung von Angehö­rigen der freien Berufe (Archi­tekten, Anwälte, Journa­listen) weiterhin nicht straf­be­droht, die von Abgeord­neten ist es nur für einen allzu eng umschrie­benen Tatbe­stand, die Einrichtung eines – immer wieder gefor­derten – Zentral­re­gisters korruptiv tätiger Unter­nehmen wird weiter verzögert. Zu einer Regelung, die Unter­nehmen und nicht nur Personen strafbar macht, wie es in den USA oder Frank­reich geregelt ist, konnte sich der deutsche Gesetz­geber bisher nicht entschließen.

Zehn von sechzehn Bundes­ländern haben Schwer­punkt­staats­an­walt­schaften zur Verfolgung von Korrup­ti­ons­de­likten einge­richtet. Der Erfolg ist eine deutlich gestiegene Aufklä­rungs­quote. Andere Länder halten einen solchen Schritt jedoch nach wie vor für verzichtbar. So gibt es in Bayern und Hessen – und hier mangelt es sicher auch nicht an Korruption – solche Schwer­punkt­de­zernate nur für den Bereich der Städte.

Die Erfahrung zeigt, dass Korruption überall da entdeckt wird, wo man beginnt nachzu­for­schen. Korruption ist somit ein „Kontroll­delikt“.

Positive gesetz­liche Entwicklung: Wer schmiert, arbeitet umsonstBei Korrup­ti­ons­sach­ver­halten besteht die Beson­derheit, dass auf der Seite des Zuwen­dungs­gebers, also des Bestechers, im Regelfall zwei Personen beteiligt sind: Die natür­liche Person des Täters, der das Korrup­ti­ons­delikt, also die Straftat, begeht; daneben aber auch die juris­tische Person, nämlich die Firma (des Täters), die den aus der Unrechtsvereinba­rung mit dem Besto­chenen resul­tie­renden Auftrag erhält. Der aus der Straftat (Kor­ruptionsdelikt) erlangte Vorteil (Auftrag) befindet sich also nicht beim straf­rechtlich verant­wort­lichen Täter, sondern bei einem Dritten. Folglich muss sich die Abschöp­fungsmaßnahme, also die Rückführung des Schadens, gegen diesen Dritten, im Regelfall also gegen die Firma des Täters, richten. Die Anspruchs­grundlage hierfür findet sich in § 73 Abs. 3 StGB:

„Hat der Täter oder Teilnehmer für einen an­deren gehandelt und hat dadurch dieser etwas erlangt, so richtet sich die Anordnung des Ver­falls … gegen ihn.“

Der Wortlaut dieser Regelung erinnert an die Vertre­ter­vor­schrift aus dem Bürger­lichen Gesetzbuch. Es ist immer dann unproblema­tisch, wenn der Täter der Vertreter der be­günstigten Firma ist (z. B. Geschäfts­führer einer GmbH). Was ist aber, wenn ein nicht vertre­tungs­be­fugter Täter durch Korruption oder andere Straf­taten das Vermögen seines Unternehmens/Arbeitgebers mehrt (ein lei­tender Angestellter der X sorgt dafür, dass sich eine Bundes­be­hörde bei der Bestellung neuer Dienst­wagen für X entscheidet; ein Buchhalter bessert aus Angst um den Ver­lust seines Arbeits­platzes ohne Wissen der Firmen­leitung die desolate wirtschaft­liche Situation seiner Firma auf, indem er beim Finanzamt durch Vorlage gefälschter Rech­nungen Vorsteu­er­erstat­tungen erschwindelt usw.). Hier stellt sich die Frage nach dem Umfang des Anwen­dungs­be­reichs von § 73 Abs. 3 StGB. Bedeutet die Formu­lierung „für einen anderen“, dass der Täter ausschließ­lich für den Dritten tätig geworden sein muss oder darf er auch autonome Ziele verfolgen? Muss der Dritte von der Straftat zu seinen Gunsten positive Kenntnis haben oder haf­tet er auch bei Gutgläu­bigkeit? Ist aus dem Wörtchen „dadurch“ zu lesen, dass zwischen Straftat des Täters und Bereicherungsein­tritt beim Dritten ein Unmittelbarkeitszu­sammenhang bestehen muss?

All diese Fragen hat der Bundesgerichts­hof in einer für das Abschöp­fungs­recht bahnbre­chenden Entscheidung beantwor­tet. Daraus ergibt sich, dass neben dem Zu­wendungsempfänger insbe­sondere auch der Zuwen­dungs­geber Gefahr läuft, die gesamte durch Korruption erlangte Bruttoauftrags­summe zu verlieren. Damit lässt sich auf der Grundlage des Abschöp­fungs­rechts die Ansage formu­lieren: „Wer schmiert, arbeitet umsonst!“

Die konse­quente Abschöpfung der durch Bestechung und Vorteils­ge­währung er­langten Auftrags­summen, egal ob bei der Ein-Mann-GmbH oder beim Weltkonzern, stellt also auch für die Firma des Zuwen­dungsgebers ein hohes wirtschaft­liches Ri­siko dar, wodurch sich hoffentlich positive Präven­ti­ons­ef­fekte bereits aufseiten von Zu­wendungsgebern entwi­ckeln.

Korrup­ti­ons­prä­vention: Erhöhung der Entde­ckungs­wahr­schein­lichkeit Die beste Präven­ti­ons­maß­nahme stellt die Erhöhung der Entde­ckungs­wahr­schein­lichkeit dar, dies gilt insbe­sondere bei kalku­lier­baren Delikten, wie Wirtschafts­straf­taten und Kor­ruption. Grundlage hierfür sind die Verbes­serung und Sensi­bi­li­sierung des Umgangs mit Infor­ma­tionen und Verfahren, die Einfüh­rung und/oder bessere Vernetzung der Kon­trollinstanzen und die effiziente Organi­sation von Aufklä­rungs­maß­nahmen.

Einsatz von Revisoren Zur Korruptionsprä­vention empfiehlt sich der Einsatz von exter­nen und internen Revisoren.

Externe Revisoren können dabei durch ihre spezia­li­sierten Prüfungen Verdachts­momente entdecken und aufar­beiten und unter­stützen die Geschäfts­führung, Inhaber und/oder die zustän­digen Kontroll­stellen beim Verdacht auf delik­tische Handlungen bei den anzuwen­denden Verfahren zur Auf­deckung und Anzeige von Korrup­ti­ons­fällen.

Die aktive Rolle bei der Prävention fällt internen Revisoren zu, die mit Maßnahmen wie z. B. dem Aufstellen von Ethik­normen und der Einführung von Verfahren zur Anzei­ge von betrieb­lichen Zweifels­fällen (Alarm­system) die Korrup­ti­ons­ver­hütung steuern.

Drei Prozess­module zum Umgang mit Kor­ruption Um höchst­mög­liche Effizienz bei der Prävention, Aufde­ckung und Aufarbei­tung von Korrup­ti­ons­de­likten zu erreichen, Prozesse. Nachfolgend sind einige Maßnah­men beispielhaft aufge­listet.

Zur Prävention gilt es einen ethischen Kodex aufzu­stellen, im Rahmen dessen das Grund­ver­ständnis der Berufs­aus­übung auch im Zusam­menhang mit dolosen Handlungen aufge­zeichnet wird. Einkaufs­richt­linien sollten klaren Vorgaben folgen. Neue Mitar­beiter oder Mitar­beiter, die in Schlüsselposi­tionen versetzt werden, sollten einem Inte­gritätstest unter­zogen werden. Poten­zielle Liefe­ranten sollten im Vorfeld Präventiv­kontrollen unter­zogen werden. Einkaufsent­scheidungen sollten nicht in einer Hand lie­gen, sondern z. B. einem Vier-Augen-Prinzip folgen.

Zur Aufde­ckung eines Korrup­ti­ons­falls sollten Hinweis­ge­ber­systeme externe und interne Hinweise entge­gen­nehmen, be­arbeiten und auf Glaub­wür­digkeit prüfen. Einkaufs­pro­zesse sollten regel­mäßig auf Einhaltung geprüft und Verstöße dagegen identi­fi­ziert werden. Prozesse und Verträge sollten regel­mäßig durch unabhängige und objektive externe Revisoren geprüft werden, um Vorfälle und Risiken in Prozessen zu identi­fi­zieren. Bei konkretem Verdacht sind Sonder­prü­fungen durch­zu­führen.

Bei Aufde­ckung eines Korrup­ti­ons­falls empfiehlt sich eine struk­tu­rierte Aufarbei­tung. Ein Krisen­ma­nagement sollte dabei syste­ma­tisch die Krisen­si­tuation untersu­chen und durch Sonder­prü­fungen die ge­nauen Ursachen und den Ablauf der dolosen Handlungen ermitteln. Im Anschluss gilt es angemessene Sanktionen aufzu­stellen, z. B. die Beendigung des Arbeits­ver­hält­nisses bis hin zur Initi­ierung einer straf­recht­lichen Verfolgung. In einer Nachgangs­analyse sollte der Vorfall genau dokumen­tiert wer­den und neue Erkennt­nisse sollten in den Präven­ti­ons­prozess aufge­nommen werden.

Praxis­bei­spiel: Unterschlagung/Bestechung in Indus­trie­be­trieb Die Ausgangs­si­tuation. Durch einen internen Hinweis wurde in einem Indus­trie­un­ter­nehmen die Unter­neh­mens­leitung über einen Betrugs­ver­dacht im Bereich des Einkaufs infor­miert. Der externe Revisior wurde durch die Geschäfts­leitung beauf­tragt, ermit­telnd tätig zu werden. Der Auftrag umfasste die schnelle Sicher­stellung des notwen­digen Beweis­ma­te­rials, das den Vorwurf der Unter­schlagung belegen sollte.

Infra­struktur des Auftrag­gebers. Der Einkauf wurde zentral über ein einge­führtes ERP-System abgewi­ckelt. Es waren zwei eigen­ständige und getrennt arbei­tende Abtei­lungen mit der Beschaffung beschäftigt. Die Zugriffs­be­schrän­kungen und die getrennten Verant­wor­tungen sollten gemeinsame Aktionen zum Schaden des Unter­nehmens vorbeugen und verhindern.

Aufga­ben­stellung. Aufgrund der großen Menge der zu überprü­fenden Daten und Dokumente, musste eine methoden- und toolge­stützte Daten­analyse durch­ge­führt werden. Es muss­te ein Abgleich der Geschäfts­vor­fälle erstellt werden, in dem die Liefe­ran­ten­ver­träge mit den entspre­chenden Liefe­rungen, den Eingangs­rech­nungen und den zentralen gespei­cherten Liefer­kon­di­tionen gegen­über­ge­stellt werden.

Vorge­hens­weise. Vorbe­reitend wurden die Geschäfts­vor­fälle (Bestel­lungen, Liefer­scheine, Rechnungen) in eine gemeinsame Datenbank zusam­men­ge­führt. Diese Daten wurden anschließend mit der zentralen Auftrags- und Kondi­ti­ons­datei durch Verwendung eines Analy­se­tools mitein­ander abgeglichen, um festzu­stellen, inwieweit Abwei­chungen zwischen den verein­barten und den in den Belegen ausge­wie­senen Kondi­tions- und Zahlungs­be­din­gungen nachzu­weisen waren. Wegen der Größe des Daten­be­standes und um möglichst schnell zu greif­baren Ergeb­nissen zu kommen, wurden nur das Stich­pro­ben­ver­fahren zur ersten Prüfung ausge­wählt.

Feststel­lungen. Weil die Verant­wort­lich­keiten in unter­schied­lichen Abtei­lungen getrennt waren, fehlte es an einem übergrei­fenden Wissen und damit auch an einer übergrei­fenden Kontrolle. Das Wissen über die Kondi­ti­ons­ver­ein­ba­rungen war nicht ausrei­chend vorhanden, sodass es in den Abtei­lungen möglich war, das zentrale Kondi­ti­ons­system für ihre eigenen Zwecke unbemerkt zu missbrauchen, z. B. ausge­wählten Liefe­ranten vorteil­haftere Kondi­tionen einzu­räumen und daran selbst zu parti­zi­pieren.

Ergebnis. In diesem Fall war es möglich, durch den Einsatz entspre­chender Analy­se­tools innerhalb von zwei Monaten eine Verun­treuung in Höhe von ca. 130.000,00 Euro zu erkennen, beweis­kräftig zu dokumen­tieren und die Grundlage zu schaffen, dass ein großer Teil dieser Gel­der wieder zurück­geholt werden konnte.

Resümee Der geschil­derte Praxisfall links zeigt, wie wichtig es ist, mithilfe eines struk­turierten und metho­di­schen Vorgehens un­ter Zuhil­fe­nahme geeig­neter Prüfwerk­zeuge wirtschafts­kri­mi­nelle und dolose Hand­lungen aufzu­decken. Da häufig zeitlicher Verzug besteht und der Rahmen der Ermitt­lung vor Ort zeitlich auf ein enges Maß be­grenzt ist, garan­tiert nur ein quali­fi­ziertes und syste­ma­ti­sches Vorgehen ein zweckmä­ßiges und erfolg­reiches Handeln der Betrof­fenen.

Die funkti­ons­sicher geglaubte Verarbei­tung von Geschäfts­daten kann immer wieder missbraucht und für Unregel­mä­ßig­keiten und persön­liche Berei­cherung und Betrug über längere Zeit genutzt werden. Größten­teils werden die überwie­gende Anzahl der Fälle durch Zufälle, Neid, betrogene Betrü­ger und das Zusam­men­treffen „unglück­licher“ Umstände bekannt.

Im Fall einer internen Aufde­ckung kom­men dolose Vorgänge oftmals nicht an die Öffent­lichkeit, was zu einer massiven Unter­schätzung ihrer Häufigkeit führt.

Viele verant­wort­liche Entscheidungsträ­ger wiegen sich bei der Durch­führung von Bestechungen in der trüge­ri­schen Sicher­heit, dass bestehende Rechts­schutz- und D&O-Versicherungen einen vollumfäng­lichen Schutz leisten würden. Zwar mögen in gewissen Fällen Schaden­er­satz­an­sprüche und die Kosten der Rechts­be­ratung versi­cherungsseitig abgedeckt sein, für Geldstra­fen besteht aller­dings kein Schutz. Ferner wird der Versi­cherer keines­falls eine Ersatz­person stellen, die für den Verant­wort­lichen die Haftstrafe antritt, sollte diese verhängt werden.

Leider ist es vielen Verant­wort­lichen noch nicht bekannt, dass es sowohl vorbeu­gende als auch nachvoll­ziehbare Methoden und Anwen­dungen gibt, mit deren Hilfe sowohl eine Vermeidung als auch eine Aufklärung erreicht werden kann. Sehr häufig blenden die Verant­wort­lichen das Thema auch aus, da sie irriger­weise der Annahme sind, von Korruption nicht berührt zu sein. Die Praxis widerlegt diese Annahme in allen Punkten. Kein Unter­nehmen ist hierfür zu klein oder sicher.
Tipps und Hinweise zur Korrup­ti­ons­prä­vention

  • Prakti­zieren Sie einheit­liche Regeln zur Gewährung und Annahme von Geschenken, Bewir­tungen und sonstigen Einla­dungen
  • Führen Sie klare Verfahren ein, wie mit ersten Hinweisen oder Beweisen in Bezug auf Korruption umgegangen wird
  • Nutzen Sie klar definierte, trans­pa­rente Kriterien und Verfahren bei Rekru­tierung, Stellen­be­setzung und Beför­derung
  • Verpflichten Sie alle Mitar­beiter dazu, Bestechungs­ver­suche sofort anzuzeigen
  • Bei Beschäf­tigung von naheste­henden Personen (z. B. Angehörige, Lebens­partner) sollten Inter­es­sen­kon­flikte jeglicher Art ausge­schlossen werden können
  • Stellen Sie Regeln für Spenden und Sponsoring auf, die eine Einfluss­nahme auf Entschei­dungen ausschließen
  • Beschäf­tigte sollten in der Regel durch­gehend nicht länger als fünf Jahre in korrup­ti­ons­ge­fähr­deten Ressorts einge­setzt werden
  • Die Entscheidung über die Vergabe von Aufträgen ist von mindestens zwei Personen zu treffen
  • Nutzen Sie Frühwarn­systeme, z. B. Kontrolle und Überprüfung von Zahlungs­flüssen
  • Lassen Sie sich im Beschaf­fungs­ma­nagement von neutralen und externen Dienst­leistern unter­stützen
  • Kontrol­lieren Sie die Notwen­digkeit und Angemes­senheit von Anschluss­auf­trägen (z. B. Nachträge zu bestehenden Verträgen)
  • Führen Sie regel­mäßig Vertrags­prü­fungen in allen Einkaufs­be­reichen durch, auch nachträglich (Contract Management)

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