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Steuer­liche Aspekte der Förderung umwelt­freund­licher Energie­er­zeugung

Steigende Energie­preise auf der einen Seite sowie der Wunsch nach Unabhän­gigkeit von Energie­lie­fe­ranten und einem gestie­genen Umwelt­be­wusstsein auf der anderen Seite bringen Solar- und Photo­vol­ta­ik­an­lagen immer weiter in den Fokus. Nachfol­gender Artikel soll insbe­sondere die steuer­lichen Aspekte im Zusam­menhang mit dem Betrieb von Solar- und Photo­vol­ta­ik­an­lagen skizzieren.


Photo­voltaik beschreibt eine Technik zur Umwandlung von Sonnen­en­ergie in elektrische Energie. Zur Umwandlung verwendet man Solar­zellen. Solar­kol­lek­tor­an­lagen dienen hingegen ausschließlich der Wärme­er­zeugung. Sie können lediglich über Zwischen­schritte die erzeugte Wärme in elektrische Energie umwandeln.

Staat­liche und andere Förde­rungen Die staat­liche Förderung oder auch eine güns­tige Finan­zierung durch eine Bank ist häufig ein weiterer Faktor, sich für eine Photo­vol­ta­ik­anlage zu entscheiden. Zur Förderung stehen insbe­sondere folgende Mittel zur Verfügung:

Kredit­pro­gramme der KfW-Bank, z. B. „Erneu­erbare Energien Standard“ für Strom aus Sonnen­en­ergie (Photo­voltaik) und Wärme aus Sonnen­en­ergie (Solar­thermie)

Mittel des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhr­kon­trolle. Anmerkung: Mit dem am 9. April 2010 im Bundes­ge­setz­blatt verkün­deten Bundes­haushalt 2010 wurden die Förder­mittel für das Markt­an­reiz­pro­gramm für erneu­erbare Energien im Wärme­markt im Jahr 2010 gekürzt und weitere Mittel mit einer Haushalts­sperre belegt.

Günstige Finan­zierung durch Geldin­stitute mit sozial-ökolo­gi­scher Ausrichtung, z. B. GLS Bank, UmweltBank

Förder­pro­gramme der Bundes­länder, in Nieder­sachsen z. B. Programme „Moder­ni­sierung von Wohnei­gentum“ oder „Energie­ef­fi­zienz“ der NBank

Förderung nach dem Erneu­erbare-Energien-Gesetz – EEG 2009 mit Abnahme- und Zahlungs­pflichten des Netzbe­treibers: Abnah­me­pflicht von 20 Jahren sowie fixe Vergü­tungs­sätze für überschüs­sigen und privat nicht benötigten Strom abhängig von der Leistung der Anlage und dem Zeitpunkt der Inbetrieb­nahme

Steuer­liche Aspekte Der Betrieb einer Photo­voltaik-Solar­anlage hat verschiedene steuer­recht­liche Aspekte. Im Rahmen dieses Artikels haben wir den Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage für den privaten Anlagen­be­treiber beleuchtet.

Grund­sätzlich übt der Anlagen­be­treiber mit dem den Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage einen Gewer­be­be­trieb aus und hat dies gegenüber dem Finanzamt anzuzeigen. Dieses sendet ihm in der Folge zunächst einen Erfas­sungs­bogen zu, der mit den Eckdaten des Gewerbes auszu­füllen und zurück­zu­senden ist.

Umsatz­steuer Es liegt grund­sätzlich eine unter­neh­me­rische Tätigkeit vor, wenn eine netzge­kop­pelte Photo­vol­ta­ik­anlage betrieben wird, da der erzeugte Strom in das Netz einge­speist und an den jewei­ligen Netzbe­treiber verkauft wird. Umsatz­steu­er­rechtlich handelt es sich um eine Lieferung. Der Anlagen­be­treiber wird daher mit seiner Photo­vol­ta­ik­anlage unter­neh­me­risch tätig.

Folglich ist auch der Vorsteu­er­abzug zu gewähren: Die geleistete Vorsteuer auf die Inves­tition in die Photo­vol­ta­ik­anlage wird vom Finanzamt erstattet. Dadurch mindert sich die Inves­ti­ti­ons­summe um 19 Prozent geleistete Umsatz­steuer. Außerdem werden die Vorsteuern aus weiteren Betriebs­aus­gaben ebenfalls erstattet.

Im Gegenzug muss der Anlagen­be­treiber Umsatz­steuer auf die Einspei­se­ver­gütung (Einspei­se­erlöse) an das Finanzamt abführen, welche vom Netzbe­treiber zusätzlich zum EEG-Vergü­tungssatz an den einzelnen Anlagen­be­treiber ausge­zahlt wird.

Der Betreiber könnte ggf. auch die Klein­unternehmerregelung für die Lieferung des Stroms nutzen. Dies ist in der Regel jedoch nicht zu empfehlen, da insbe­sondere der Vorsteu­er­abzug aus der Inves­tition entfallen würde.

Macht der Betreiber von der Klein­un­ter­neh­mer­re­gelung keinen Gebrauch, hat er monatlich eine Umsatz­steu­er­vor­anmeldung abzugeben. In der Regel kann diese nach 2 Betriebs­jahren viertel­jährlich einge­reicht werden. Zudem ist jährlich eine Umsatz­steu­er­erklärung abzugeben.

Achtung, Fallstrick: Sind Sie bereits mit Ihrer beruf­lichen Tätigkeit umsatz­steu­er­licher Klein­un­ter­nehmer? Dann führt der Betrieb einer Photo­vol­ta­ik­anlage unter Verzicht auf die Klein­un­ter­neh­mer­re­gelung dazu, dass auch alle anderen Umsätze umsatz­steu­er­pflichtig werden. Da solche Folgen durch die richtige Sachver­halts­ge­staltung vermieden werden können, sollten Sie nicht auf steuer­liche Beratung verzichten.

Die Vergütung des Netzbe­treibers ist umsatz­steu­erlich Entgelt für die Produktion von Strom. Wird Strom nicht in das Netz einge­speist, sondern im privaten, nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich verbraucht, liegt eine unent­gelt­liche Wertabgabe vor. Der sofortige Vorsteu­er­abzug bei der Inves­tition und die zeitlich gestreckte Umsatz­ver­steuerung auf den Eigen­ver­brauch bringen einen erheb­lichen Liqui­ditäts- und Zinsvorteil mit sich.

Einkom­men­steuer Betreiben Hausbe­sitzer eine Photo­vol­ta­ik­anlage, um damit Strom zu erzeugen und in das Netz einzu­speisen, erzielen sie hieraus in Höhe der vom Netzbe­treiber gewährten Vergütung Einnahmen aus gewerb­licher Betätigung.

Die reduzierten Vergü­tungen, die nach dem EEG 2009 erstmals für nachweisbar selbst erzeugten, nicht in das Netz einge­speisten, sondern sofort verbrauchten Strom (und damit im Grunde für die Strom­erzeugung) gezahlt werden, stellen ebenfalls Betriebs­ein­nahmen im Rahmen des Gewer­be­be­triebes dar. Durch den Eigen­ver­brauch des selbst erzeugten Stroms generiert der Anlagen­be­treiber darüber hinaus eine Ersparnis in Höhe des ortsüb­lichen Strom­preises. Deshalb ist hinsichtlich des für private Zwecke verbrauchten Stroms eine Privat­ent­nahme anzusetzen, maßgebend hierfür ist der Strom­preis für aus dem Netz des Energie­ver­sorgers bezogenen Strom.

Wird der Strom an einen Dritten veräußert, ist neben der reduzierten Vergütung des Netzbe­treibers der vom tatsäch­lichen Strom­ab­nehmer verein­nahmte Strom­preis als Betriebs­ein­nahme zu erfassen.

Gibt es über Förder­pro­gramme Zuschüsse, können diese unter bestimmten Voraus­set­zungen alter­nativ als sofort zu versteu­ernde Betriebs­ein­nahme oder Minde­rungs­betrag der Anschaf­fungs- oder Herstel­lungs­kosten der Photo­vol­ta­ik­anlage erfasst werden.

Sämtliche Einnahmen sind nach Abzug der Betriebs­aus­gaben (Abschrei­bungen, Finan­zie­rungs­kosten, Instand­hal­tungs­kosten usw.) im Rahmen der Einkom­men­steu­er­erklärung als Einkünfte aus Gewer­be­be­trieb zu berück­sich­tigen.

Die Herstel­lungs­kosten einer auf das Dach aufge­setzten Photo­vol­ta­ik­anlage sind in der Regel über einen Nutzungs­zeitraum von 20 Jahren abzuschreiben. In Betracht zu ziehen sind degressive und lineare Abschreibung, Sonder­ab­schreibung und Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­betrag.

Gewer­be­steuer Die Gewer­be­steuer ist an die Bedingung geknüpft, dass eine Photo­vol­ta­ik­anlage Gewinne erwirt­schaftet. Gewer­be­steuer entsteht erst, wenn der Gewinn aus der gewerb­lichen Tätigkeit mehr als 24.500 € pro Jahr beträgt. Dies wird von Photo­vol­ta­ik­an­lagen, die von Privat­per­sonen betrieben werden, in aller Regel nicht erreicht.

Achtung, Fallstrick: Erzielen bestimmte Gesell­schaften aus der Vermietung eines Gebäudes Einkünfte aus Vermietung und betreiben daneben eine Photo­vol­ta­ik­anlage, aus der gewerb­liche Einkünfte erzielt werden, so führt dies – sofern die Umsätze aus der Photo­vol­ta­ik­anlage im Verhältnis zu den Gesamt­um­sätzen nicht nur gering­fügig sind – zur sogenannten Abfärbung, so dass die Gesell­schaft insgesamt – auch aus der Vermietung – gewerb­liche Einkünfte hat.

Fazit Die Inves­tition in Photo­vol­ta­ik­an­lagen bleibt wirtschaftlich und steuerlich inter­essant. Lassen Sie sich jedoch kompetent beraten, um mögliche steuer­liche Fallstricke zu umgehen.

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