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Die elektro­nische Steuer­bilanz

Weniger Verwal­tungs­aufwand, mehr Bürgernähe: Sowohl die Finanz­ver­waltung als auch die Träger der Sozial­ver­si­cherung wollen das Melde­wesen moderner und zugleich einfacher machen. Sie setzen dabei auf die elektro­nische Daten­über­mittlung und machen diese zur Pflicht.


Bereits seit dem 1. Januar 2005 müssen Unter­nehmen, die für die Erstellung ihrer Finanz­buch­führung Software einsetzen, die Umsatz­steuer-Voranmel­dungen in elektro­ni­scher Form bei den Finanz­be­hörden einreichen. Mit dem Jahres­steu­er­gesetz 2007 wurde festgelegt, dass für Melde­zeit­räume, die nach dem 31.12.2006 enden, die Zusam­men­fas­sende Meldung ebenfalls elektro­nisch an das Bundes­zen­tralamt für Steuern zu übermitteln ist.

Folgende Module müssen elektro­nisch übermittelt werden:

  • (Handels-)Bilanz
  • Gewinn- und Verlust­rechnung
  • Ergeb­nis­ver­wendung
  • Kapital­kon­ten­ent­wicklung (bei Perso­nen­ge­sell­schaften)
  • Überlei­tungs­rechnung bzw. Steuer­bilanz

Seit dem Anmel­de­zeitraum 2005 besteht für die Lohnsteuer-Anmel­dungen und seit Dezember 2004 erstmals für die Jahres-Lohnsteu­er­be­schei­nigung die gesetz­liche Verpflichtung der Daten­über­mittlung an die Finanz­be­hörden. Im Januar 2006 legte die Sozial­ver­si­cherung mit der gesetz­lichen Daten­über­mitt­lungs­pflicht für DEÜV-Meldungen und Beitrags­nach­weise nach. Seit 2009 wird das bestehende DEÜV-Verfahren um zusätz­liche Melde­pflichten erweitert – und zwar nach dem „Gesetz zur Moder­ni­sierung der gesetz­lichen Unfall­ver­si­cherung (UVMG)“. Hier werden mitar­bei­ter­be­zogene Angaben zur Unfall­ver­si­cherung in der DEÜV-Meldung zur gesetz­lichen Pflicht. Ebenfalls neu seit Januar 2009 ist die gesetz­liche Pflicht zur Sofort­meldung für neu einge­tretene Arbeit­nehmer. Diese gilt in insgesamt neun Wirtschafts­zweigen. Diese Arbeit­geber sind verpflichtet, ihre neuen Mitar­beiter vor Beginn der Beschäf­tigung elektro­nisch an das Rechen­zentrum der Deutschen Renten­ver­si­cherung Bund zu melden.

Auch die elektro­nische Übermittlung von Steuer­erklä­rungs­daten macht der Gesetz­geber zunehmend zur Pflicht. Seit 01.01.2009 ist es gesetzlich vorge­schrieben, die Anmeldung der einbe­hal­tenen Kapital­ertrag­steuer elektro­nisch und authen­ti­fi­ziert zu übermitteln.

Bislang stellen Arbeit­geber pro Jahr rund 60 Millionen Beschei­ni­gungen in Papierform aus. Diese Beschei­ni­gungen sind die Grundlage für die Berechnung und Gewährung von Sozial­leis­tungen. Im ELENA-Verfahren sollen nun zunächst die Papier­be­schei­ni­gungen für Arbeits­losen-, Eltern- und Wohngeld durch elektro­nische Beschei­ni­gungen ersetzt werden. Seit 1. Januar 2010 sind die Arbeit­geber verpflichtet, die Einkom­mens­daten ihrer Mitar­beiter an die Zentrale Speicher­stelle (ZSS) zu melden. Sie wird von den deutschen Renten­ver­si­che­rungs­trägern in Würzburg aufgebaut.

Die Angaben enthalten unter anderem Namen, Anschrift und Versi­che­rungs­nummer der Arbeit­nehmer, dazu sein Einkommen von Beginn bis Ende seiner Tätigkeit.

Bei den Jahres­steu­er­erklä­rungen (Einkommen-, Gewerbe- und Umsatz­steu­er­erklärung) ist die elektro­nische Übermittlung zwar noch nicht gesetzlich vorge­schrieben, bietet aber viele Vorteile.

Die elektro­nische Steuer­bilanz wird 2011 zur Pflicht Für alle Geschäfts­jahre, die nach dem 31.12.2010 beginnen, müssen bilan­zie­rende Unter­nehmen ihre Bilanz, ihre Gewinn- und Verlust­rechnung und gegebe­nen­falls eine Überlei­tungs­rechnung elektro­nisch übermitteln (sog. E-Bilanz). Die bisher vorge­schriebene Übermittlung in Papierform entfällt. Die sogenannte E-Bilanz zwingt Unter­nehmen dazu, erheb­liche Anpas­sungen in ihren Prozessen und ihrer IT vorzu­nehmen.

Die Neure­gelung ist Teil des Steuer­bü­ro­kra­tie­ab­bau­ge­setzes (SteuBAG), das 2008 verab­schiedet wurde. Das Bundes­fi­nanz­mi­nis­terium hat mit Schreiben vom 19. Januar und vom 3. Februar 2010 mitge­teilt, dass für die Übermittlung des Daten­satzes der XBRL-Standard zu verwenden ist und die Daten­sätze der steuer­lichen XBRL-Taxonomie entsprechen müssen.

XBRL (eXten­sible Business Reporting Language) ist eine auf XML basie­rende Sprache, mit der elektro­nische Dokumente im Bereich der Finanz­be­richt­erstattung erstellt werden. Die Daten werden in standar­di­sierter Form aufbe­reitet und es wird somit eine Nutzung für verschiedene Zwecke, z. B. Veröf­fent­li­chung im elektro­ni­schen Bundes­an­zeiger, zur Infor­mation von Geschäfts­partnern, Kredit­gebern, Aufsichts­be­hörden oder Finanz­be­hörden ermög­licht.

Bei Verletzung der Vorschriften droht den betrof­fenen Unter­nehmen die Festsetzung von Zwangs­geldern. Nur in beson­deren Härte­fällen können Unter­nehmen von der elektro­ni­schen Bilanz ausge­nommen sein.

Im Interesse einer engen Zusam­men­arbeit mit Vertretern der Wirtschaft und der steuer­be­ra­tenden Berufe werden die fachlichen und techni­schen Grund­lagen für die elektro­nische Übermittlung aktuell in einer gemein­samen Arbeits­gruppe der Verwaltung und des Vereins XBRL Deutschland e.V. erarbeitet. Zu diesem Zweck wurde die Arbeits­gruppe Taxonomie Steuer einge­setzt. Die Arbeits­gruppe hat zwei Unter­ar­beits­gruppen einge­richtet. Die fachlichen Grund­lagen für den zu übermit­telnden Datensatz werden von der sog. Fach-AG Taxonomie Steuer erarbeitet, während die techni­schen Grund­lagen die sog. IT-AG Taxonomie Steuer behandelt.

Nach derzei­tigem Stand erfordert die E-Bilanz deutlich detail­liertere Infor­ma­tionen als die bisherige Steuer­erklärung. Welche das genau sind, ist bislang offen. Unter­nehmen müssen ihre Finanz- und Steuer­buch­führung überdenken, gegebe­nen­falls den Kontenplan erweitern oder die Zuordnung der Geschäfts­vor­fälle zu Konten neu gestalten. Aber auch in der IT sind Verän­de­rungen notwendig: Unter­nehmen müssen aus ihrer Buchhaltung Daten im neuen Standard XBRL gewinnen.

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