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Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung – die unter­schätzte Absicherung!

Unter­nehmer versuchen tagtäglich dafür zu sorgen, dass die Auftrags­bücher ausrei­chend gefüllt sind. Nicht selten stehen hierbei optimale Maschi­nen­aus­las­tungs­zeiten, ausrei­chend beschäf­tigte Mitar­beiter, Gewinn­ma­xi­mierung oder ähnliche Ziele im Vorder­grund. Im Idealfall prüft der Unter­nehmer im Vorweg, ob ein Auftrag überhaupt gewinn­bringend abgewi­ckelt werden kann oder zumindest die Fixkosten abgedeckt sind und die Vertrags­be­din­gungen stimmen. Ganz allgemein findet ein Risiko­ma­nagement statt. Dieses Risiko­ma­nagement wird in Hinblick auf bestehende Versi­che­rungs­ver­träge häufig vernach­lässigt. Speziell die Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung fristet, sofern ein solcher Vertrag überhaupt besteht, zumeist ein stief­müt­ter­liches Dasein in den Akten. Dabei kann eine Leistung gerade aus dieser Versi­cherung darüber entscheiden, ob ein Unter­nehmen einen Einnah­men­ausfall verkraften kann oder es die Tore schließen muss.


Die Betriebs­un­ter­bre­chung dient zur Absicherung des Ertrags­aus­fall­schadens, der infolge eines Sachschadens entsteht. Sachschäden zählen zu den häufigsten Ursachen für Betriebs­still­stände. Hierbei ist es irrelevant, ob der Betrieb vollständig unter­brochen oder nur beein­trächtigt ist. Wichtig ist aller­dings, dass das Ereignis, das den Betriebs­still­stand auslöst, vom Versi­che­rungs­schutz erfasst ist.

Begriffs­de­fi­nition Die Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung wird auch unter anderen Begriff­lich­keiten am Markt angeboten, z. B. als Ertrags­aus­fall­ver­si­cherung. Im Kern sind die Leistungen und die Funkti­ons­weise aber häufig gleich.

Beispiele Ein metall­ver­ar­bei­tender Betrieb wird Opfer eines Feuer­schadens. Die Produk­ti­ons­halle brennt vollständig nieder. Die Produktion steht infolge dieses Schadens für sechs Monate still.

Das Büro eines Unter­neh­mens­be­raters wird durch einen Leitungs­was­ser­schaden unnutzbar. Der Server und die Arbeits­platz-PCs sind unbrauchbar. Die Aufar­beitung dauert zwei Wochen. Bis dahin ruht der Geschäfts­be­trieb.

In das Laden­ge­schäft eines Beklei­dungs­handels wird einge­brochen. Hierbei wird die Winter­kol­lektion zum Teil gestohlen und der Rest durch Vanda­lismus zerstört. Die Nachlie­ferung der Ware dauert vier Wochen. Bis dahin ist der Geschäfts­be­trieb deutlich einge­schränkt.

Definition des Ertrags­aus­fall­schadens Der geneigte Leser könnte meinen, dass der Ertrags­aus­fall­schaden – zumindest nach der Definition – begrifflich schwer zu ermitteln ist. Dabei lässt sich genau diese Definition in wenigen Zeilen zusam­men­fassen.

Der Ertrags­aus­fall­schaden setzt sich aus den fortlau­fenden Kosten und dem Betriebs­gewinn zusammen, die infolge einer versi­cherten Betriebs­un­ter­bre­chung oder -beein­träch­tigung nicht erwirt­schaftet werden konnten. Er wird – sofern keine Karenz­zeiten vereinbart sind – vom Tage des Schaden­ein­trittes bis zu dem Zeitpunkt gerechnet, zu dem der Ertrags­ausfall nicht mehr gegeben ist. Sollte dieser Zeitraum länger als die verein­barte Haftzeit sein, so findet eine Kappung statt.

So leicht auch die begriff­liche Definition ist, so schwer ist es häufig, den konkreten Ertrags­aus­fall­schaden zu ermitteln. Die Versi­che­rungs­ge­sell­schaften fordern hier zumeist die Bilanzen der drei vorher­ge­henden Jahre an, um Vergleichs­werte ermitteln zu können. In der Nachweis­pflicht des konkreten Schadens ist der Unter­nehmer. Daher ist er im Schadenfall gut beraten, sich der Hilfe seines Steuer­be­raters und eines versierten Versi­che­rungs­maklers zu bedienen.

Definition der Haftzeit Die Haftzeit stellt den maximalen Zeitraum dar, für den die Versi­che­rungs­ge­sell­schaft eine Entschä­digung für den Ertrags­aus­fall­schaden leistet. Im Regelfall beträgt die Haftzeit 12 Monate. Andere Laufzeiten können und sollten ggf. vereinbart werden, z. B. 18 oder 24 Monate.

Ein Monat hat nach Ansicht der meisten Versi­che­rungs­ge­sell­schaften 30 Tage; bei einer Haftzeit von 12 Monaten gilt ein volles Kalen­derjahr als Haftzeit.

Ausschlüsse Die Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung kennt – neben den üblichen vertrag­lichen Verein­ba­rungen und Oblie­genheit, die es nicht zu verletzen gilt – Ausschlüsse.

Hierbei wird zwischen einer Vergrö­ßerung des Schadens und generellen Ausschlüssen unter­schieden. Der Versi­cherer leistet keine Entschädi­gung, soweit der Ertrags­aus­fall­schaden durch folgende Sachver­halte ­vergrößert wird:

  • Außer­ge­wöhn­liche, während der Unter­bre­chung oder Beein­träch­tigung hinzu­tre­tender Ereig­nisse.
  • Behördlich angeordnete Wieder­her­stel­lungs- und Betriebs­be­schrän­kungen.
  • Den Umstand, dass zur Wieder­her­stellung oder Wieder­be­schaffung zerstörter, beschä­digter oder abhanden gekom­mener Sachen, Daten oder Programme nicht recht­zeitig genügend Kapital zur Verfügung steht.

Insbe­sondere der letzte Punkt der vorher­ge­henden Aufzählung darf nicht unter­schätzt werden. Der Unter­nehmer muss daher bemüht sein, schnellst­möglich liquide Mittel aufzu­treiben, damit der Geschäfts­be­trieb fortge­führt werden kann.

Eine Vergrö­ßerung des Schadens infolge fehlenden Kapitals lässt sich der Versi­cherer nicht zurechnen. Sollte ein Liqui­di­täts­engpass abzusehen sein, empfiehlt es sich, das Gespräch mit seiner Hausbank und der Versi­che­rungs­ge­sell­schaft zu suchen, um über eine (teilweise) Abtretung der Entschä­di­gungs­leistung zu verhandeln.

Ebenfalls keine Entschä­digung geleistet wird für:

  • Aufwen­dungen für Roh-, Hilfs- und Betriebs­stoffe sowie für bezogene Waren und Leistungen, soweit es sich nicht um Aufwen­dungen zur Betriebs­er­haltung oder um Mindest- und Vorhal­te­ge­bühren für Energie­fremd­bezug handelt,
  • Umsatz­steuer, Verbrauchs­steuern und Ausfuhr­zölle,
  • umsatz­ab­hängige Aufwen­dungen für Ausgangs­frachten,
  • umsatz­ab­hängige Versi­che­rungs­prämien,
  • umsatz­ab­hängige Lizenz­ge­bühren und umsatz­ab­hängige Erfin­der­ver­gütung und
  • Gewinne und Kosten, die mit dem Fabri­ka­tions-, Handels- oder Gewer­be­be­trieb nicht zusam­men­hängen.

Selbst­ver­ständlich sehen die Standard­be­din­gungen weitere Ausschlüsse (z. B. ­Vorsatz, Krieg, Kernenergie, Terrorakte etc.) vor.

An dieser Stelle sollte aber vornehmlich auf einige speziell für die Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung geltende Ausschlüsse einge­gangen werden.

Entschä­digung für Daten und Programme Die durch den Verlust, die Verän­derung oder die Nicht­ver­füg­barkeit von Daten und Programmen hervor­ge­ru­fenen Ertrags­aus­fall­schäden werden nur dann ersetzt, wenn sie infolge eines versi­cherten Sachschadens an dem Daten­träger, auf dem die Daten und Programme gespei­chert sind, entstanden sind.

Sollte der Unter­nehmer nicht zur Nutzung der Daten oder Programme berechtigt sein oder sollten diese nicht lauffähig bzw. betriebs­fertig sein oder sich nur im Arbeits­speicher der Zentral­einheit befinden, so ist dieser Ertrags­aus­fall­schaden nicht vom Versi­che­rungs­schutz erfasst.

Anmerkung: Zur Absicherung von Daten und Programmen sind auch Spezi­al­lö­sungen verfügbar, die zumeist mit einer Elektro­nik­ver­si­cherung einher­gehen. Der Versi­che­rungs­schutz kann deutlich weitrei­chender sein, aller­dings sind die Anfor­de­rungen an die Daten­si­che­rungs­technik zumeist sehr hoch.

Versi­cherbare Gefahren Eingangs wurde erwähnt, dass ein versi­cherter Ertrags­aus­fall­schaden einen Sachschaden voraus­setzt. Der Sachschaden tritt infolge einer versi­cherten Gefahr auf.

Die üblichsten versi­cherten Gefahren sind Feuer, Einbruch­dieb­stahl, Vanda­lismus nach einem Einbruch und Raub, Leitungs­wasser und Sturm/Hagel.

Hierneben sind aber noch verschiedene weitere Gefahren versi­cherbar. Hierzu zählen u. a. Elemen­tar­schäden und Extended-Coverage-Risiken (z. B. innere Unruhen, böswillige Beschä­digung, Streik und Aussperrung, Fahrzeug­an­prall, Rauch und Überschall­druck­wellen).

Einige Versi­che­rungs­ge­sell­schaften bieten auch Versi­che­rungs­schutz gegen unbenannte Gefahren an, also eine Art All-Risk-Deckung. Insbe­sondere die letzten drei Gefahren bieten viele Versi­cherer aber nur bei gleich­zei­tiger Verein­barung hoher Selbst­be­halte an.

Außerdem sind weitere Spezi­al­formen der Betriebs­un­ter­bre­chung am Markt verfügbar, die für Betriebe mit hohem techni­schen Anteil oder das produ­zie­rende Gewerbe von Interesse sein können. Namentlich handelt es sich hierbei um die Elektronik- und die Maschinen(bruch-)-Betriebsunterbrechungsversicherung.

Selbst für nicht stationäre Maschinen werden solche Konzepte mittler­weile angeboten. Bei dieser Produktart werden aber zumeist Karenz­zeiten (also Warte­zeiten) von mehreren Tagen bis Wochen und Höchst­haf­tungs­grenzen vereinbart, die das Produkt sodann wieder uninter­essant machen können.

Es bleibt ohnehin eine Abwägungs­frage, welche der vielen Möglich­keiten genutzt werden. Denn das Preis-Leistungs-Verhältnis bzw. das betrieb­liche Risiko­ma­nagement sollte darüber entscheiden, welches Risiko zu welcher Beitragshöhe (und ggf. weiteren Restrik­tionen) abgesi­chert werden sollte.

Ermittlung der Versi­che­rungs­summe Bei der Ermittlung der Versi­che­rungs­summe ist die gewählte Form der Betriebs­un­ter­bre­chung entscheidend.

Grund­sätzlich lässt sich zwischen der „Kleinen Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ und der „Mittleren Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ unter­scheiden. Weitere Produkte sollen hier unberück­sichtigt bleiben.

Kleine Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung Die „Kleine Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ wird als Annex zu einer bestehenden Geschäfts­in­halts­ver­si­cherung abgeschlossen. Die Versi­che­rungs­summe für die Betriebs­un­ter­bre­chungs­de­ckung entspricht im Regelfall der Höhe der Geschäfts­in­halts­ver­si­cherung.

Höhere Absiche­rungen sind grund­sätzlich denkbar und – sofern Spezi­al­ver­si­che­rungen bestehen – empfeh­lenswert.

Diese Form der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung ist immer nur dann sinnvoll, wenn das Betriebs­un­ter­bre­chungs­risiko und die daraus entste­hende Belastung kongruent sind. Sollte der zu erwar­tende Betriebs­aus­fall­schaden deutlich höher sein, so empfiehlt sich die Absicherung mit der „Mittleren Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“.

Mittlere Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung Die Ermittlung der Versi­che­rungs­summe kann sich von Versi­cherer zu Versi­cherer grund­sätzlich unter­scheiden.

Das einfachste Schema stellt sich wie folgt dar:

Umsatz­erlöse und sonstige betrieb­liche Erträge (netto)
./. Materi­al­auf­wen­dungen
+ Vorsor­ge­betrag
= Jahres­ver­si­che­rungs­summe inkl. Vorsorge für eine Haftzeit von 12 Monaten

Die Werte werden immer aus dem vorhe­rigen Geschäftsjahr abgeleitet und sollen durch den Vorsor­ge­betrag eine mögliche Steigerung im aktuellen Geschäftsjahr berück­sich­tigen.

Insbe­sondere der Vorsor­ge­betrag sollte aber mit Bedacht gewählt werden. Nicht alle Versi­cherer zahlen den antei­ligen Beitrag zurück, wenn sich bei der Ermittlung der Versi­che­rungs­summe im nächsten Geschäftsjahr für das Vorjahr eine Reduzierung der Summe ergibt.

Unter­ver­si­cherung Eine Unter­ver­si­cherung ist auch bei der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung möglich.

Diese entsteht in der „Kleinen Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ schon dann, wenn eine Unter­ver­si­cherung bei der als „Haupt­vertrag“ geltenden Geschäfts­in­halts­ver­si­cherung vorliegt und deren Versi­che­rungs­summe als Grundlage für die Betriebs­un­ter­bre­chungs­de­ckung gewählt wurde. Es ist nahezu undenkbar, dass zufällig die Versi­che­rungs­summe der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung dem richtigen Versi­che­rungswert des Geschäfts­in­haltes entspricht, die Versi­che­rungs­summe der Geschäfts­in­halts­ver­si­cherung aber eben nicht. Weiterhin liegt in den meisten Fällen eine Unter­ver­si­cherung vor, wenn die Versi­che­rungs­werte von speziell versi­chertem Inventar nicht berück­sichtigt wurden.

Um das Risiko auszu­schließen, dass eine Unter­ver­si­cherung in der Geschäfts­in­halts­ver­si­cherung zur gleich­zei­tigen Unter­ver­si­cherung der „Kleinen Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ führt, bleibt dem Unter­nehmer nur der Abschluss einer „Mittleren Betriebs­aus­fall­ver­si­cherung“ übrig.

Bei der „Mittleren Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ kann aller­dings ebenfalls eine Unter­ver­si­cherung entstehen. Dies ist dem Ermitt­lungs­schema zur Ermittlung der Versi­che­rungs­summe geschuldet.

Gestal­tungs­spiel­räume Das Produkt „Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung“ ist sehr facet­ten­reich und bietet Gestal­tungs­spiel­räume.

Durch Klauseln und Sonder­ver­ein­ba­rungen kann der Versi­che­rungs­schutz deutlich erweitert und sogar die oben erwähnten Ausschlüsse wieder aufge­hoben werden.

Nachfolgend sollen ein paar Beispiele genannt werden:

  • Kosten der Ermittlung und Feststellung des Schadens
  • Einschluss der Vergrö­ßerung des Ertrags­aus­fall­schadens durch behördlich angeordnete Wieder­aufbau- oder Betriebs­be­schrän­kungen
  • Einschluss von Terror­akten
  • Vertrags­strafen
  • Zusätz­liche Stand­gelder und zusätz­liche Mehrauf­wen­dungen
  • Sachver­stän­di­gen­kosten
  • Nachhaf­tungs­zeiten nach Ablauf der Haftzeit
  • Rückwir­kungs­schäden für Zulie­ferer und Abnehmer

Diese Aufzählung ist mitnichten abschließend. Im Segment der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung gibt es auch speziell auf die Bedürf­nisse einzelner Branchen zugeschnittene Klauseln und Sonder­ver­ein­ba­rungen, die den Versi­che­rungs­schutz genau auf den Bedarf des Unter­nehmens ausrichten.

Fazit Bei der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­cherung handelt es sich um eine sehr wichtige betrieb­liche Absicherung, die im Prozess des Risiko­ma­nage­ments auf jeden Fall ihren Platz einnehmen sollte.

Die hohe Flexi­bi­lität des Produktes stellt den Unter­nehmer aber häufig vor eine fast unlösbare Aufgabe. Daher kann dieser Artikel auch nur einen groben Überblick liefern.

Die Ausge­staltung sollte daher in profes­sio­nelle Hände gegeben und in enger Zusam­men­arbeit mit dem Steuer­be­rater vorge­nommen werden.

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